Montag, 17. Februar 2020

Beteiligungen Welches Schiff ist das richtige?

Containerfrachter, Tanker, Bulker: Welcher Schiffstyp die besten Chancen hat
AFP/Mitsui OSK Line

Nach der Krise geht es mit der weltweiten Frachtschifffahrt wieder aufwärts. Für Anleger könnte das ein guter Zeitpunkt zum Einstieg sein. Doch auf welchen Schiffstyp soll man setzen? Haben "Bulker" bessere Perspektiven als Tanker oder Containerfrachter? manager magazin gibt einen Überblick.

Hamburg - "Keiner in der Schifffahrt hat mit einem solchen Turnaround gerechnet", sagt André Tonn. Tonn ist geschäftsführender Gesellschafter der Oltmann Gruppe, die seit den 80er Jahren mehr als 200 Schiffsfonds aufgelegt hat.

Er weiß also, wovon er spricht: Selten zuvor ist das weltweite Transportgeschehen zur See so massiv eingebrochen, wie in der vergangenen Wirtschaftskrise. Und selten gab es ein solches Comeback.

Zum Beispiel in der Containerschifffahrt, dem am schnellsten wachsenden Sektor. 2009 schrumpfte der Umschlag erstmals seit Jahren, und gleich um satte 10 Prozent. Hunderte Containerfrachter verloren ihre Beschäftigung und lagen ungenutzt in den Häfen auf.

Charterraten sind gestiegen

Dann jedoch die Wende: Mit der anspringenden Konjunktur zog auch der Welthandel wieder an. Der Containerumschlag in den 65 wichtigsten Häfen legte nach Zahlen des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL), Bremen, allein im ersten Halbjahr 2010 um 16 Prozent zu. Schiffe ohne Beschäftigung gibt es inzwischen kaum noch. Die Kaimauern am Hamburger Hafen zum Beispiel waren zeitweise vollständig besetzt.

Auch die Charterraten der Frachter, die in der Fondsbranche als Gradmesser viel beachtet werden, haben inzwischen in den meisten Segmenten wieder deutlich zugelegt.

Es dürfte daher nicht mehr lange dauern, bis das Angebot an klassischen Schiffsfonds, die die Beteiligung an einem Tanker, einem Massengutfrachter ("Bulker") oder einem Containerschiff offerieren, wieder zunimmt. Während der Krise hatten sich die Anleger nahezu vollständig von diesem Fondstyp abgewendet. Denn viele der Gesellschaften lieferten die versprochene Performance nicht, zahlreiche befinden sich noch immer in heftiger Schieflage.

Der richtige Zeitpunkt, wieder in Schiffsfonds zu investieren?

Dennoch stellen sich jetzt für Anleger vor allem zwei Fragen: Ist dies der Zeitpunkt, wieder in Schiffsbeteiligungen zu investieren? Und wenn ja, in welche? Welcher Schiffstyp hat die besten Aussichten?

Die Antworten sind schwer zu finden. Zwar dürfte es mit der Weltwirtschaft und dem Handel weiter aufwärts gehen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa geht in den kommenden Jahren von einem Wachstum der Weltwirtschaft um mehr als 4 Prozent pro Jahr aus, getragen vor allem von den starken Schwellenländern wie China und Indien.

Ob aber die Schiffsmärkte und die Charterraten in allen Bereichen den Aufwärtrend mitmachen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wichtig ist zum Beispiel die Entwicklung der Flottenstärke, die einhergeht mit einer Veränderung des Angebots an Frachtkapazität. Was nutzt es schließlich, wenn beispielsweise die Nachfrage nach Containerstellplätzen um 10 Prozent pro Jahr steigt, wenn gleichzeitig die Flotte um 20 Prozent wachsen sollte?

Auch die Experten betrachten die Sache differenziert. "Die Erholung der Charterraten wird nicht in jeder Schiffsklasse nachhaltig sein", sagt etwa Oltmann-Geschäftsführer Tonn. "Bei Großcontainerschiffen und Bulkern drohen Überkapazitäten. Moderne Mehrzweckfrachter bleiben stabil."

Torben Kölln vom Emissionshaus Buss Capital tendiert in eine ähnliche Richtung: Zurzeit bieten kleinere Containerschiffe die besten Aussichten. Ebenso sieht Kölln allerdings auch Chancen bei Handysize-Bulkern, Massengutfrachtern mit "handlicher" Größe also. Der Grund: "Die Hälfte der Flotte ist 20 Jahre oder älter."

Zwei Fachleute, zwei Meinungen also. Anleger können sich aber auch selbst ein Bild machen. Sie müssen nur auf die Daten schauen, die auch die Experten ihren Einschätzungen zugrunde legen: Gängige Prognosen zum Transportmengenwachstum zum Beispiel. Oder die Altersstruktur einer Flotte sowie vor allem die Einträge im Orderbuch, die Aufschluss darüber geben, welches Flottenwachstum künftig zu erwarten ist. manager magazin gibt einen Überblick über diese Daten für die wichtigsten Schiffsklassen.

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