Schwarzer Freitag Die Panik baute sich langsam auf

Nach den US-Konjunkturdaten war die Stimmung an der Wall Street schon zu Handelsbeginn schlecht. Die folgenden Nachrichten waren schon gar nicht geeignet, den Börsianern Laune zu machen.

New York - Der US-Börsentag fing schlecht an. Nach Veröffentlichung der Verbraucherpreisdaten sackten die Futures auf den Dow Jones und den Nasdaq kräftig ab. Investoren gaben damit zum Ausdruck, dass sie zumindest bis Juni nicht an steigende Kurse, sondern eher an steigende Zinsen glauben.

Kurz nach Handelsstart rutschten alle 30 Aktien des Dow Jones ins Minus. Am schlechtesten schnitten die Papiere des US-Investmenthauses J.P. Morgan ab. Mit einem Minus von 6,1 Prozent machten Anleger klar: Wenn die Börse rutscht und die Zinsen steigen, verdienen auch Investmentbanker weniger.

Für weitaus sicherer halten Anleger dagegen die klassischen Flucht-Werte: Aktien der Goldminen. Barrick Gold, Homestake Mining und Newmont Mining gehören zu den wenigen Werten, die an diesem Tag überhaupt zulegen können.

An der Nasdaq hält sich im frühen Handel noch die 200-Tage-Linie. Die Charttechniker sind ebenfalls noch optimistisch. Die von ihnen ausgerechnete Unterstützungslinie bei 3503,30 Punkten ist noch nicht in Gefahr. Um zehn Uhr Ortszeit gaben die Technologie-Titel nur leicht nach.

Gute Bilanzzahlen bringen einzelne Werte in der Folge sogar nach oben. Unter den Technologietiteln können Visx, Juniper und PMC-Sierra kräftig zulegen, nachdem ihre Gewinne besser ausfielen als von Analysten erwartet.

Doch dann kippt die Stimmung: Vor allem die Top-Technologietitel stehen auf der Verkaufsliste. Cisco, eine der noch als sicher geltenden Werte, müssen gegen 12 Uhr Ortszeit bereits sieben Prozent abgeben. Sun Microsystems und Microsoft verlieren ebenfalls. Der Nasdaq-Index verbucht ein Minus von rund 300 Punkten und notiert erstmals seit Dezember unter der Marke von 3.400 Punkten.

Lauren Cooks Levitan vom US-Investmenthaus Robertson Stephens veröffentlicht eine Studie, die den Online-Markt in vier Segmente aufteilt: Neben den führenden Portalen und Märkten gibt es noch angeschlagene, aber noch zu rettende Angebote sowie Anbieter, die untergehen werden. In die ersten beiden, für Anleger noch sichere Kategorien stuft die Analystin nur Amazon, Ebay und Priceline ein.

Das hilft jedoch speziell Amazon nicht. Gegen 12.30 Uhr rutscht der vielbeachtete Internet-Index von Goldman Sachs ins Minus. Amazon notieren auf einem 52-Wochen-Tief. AOL, Yahoo und andere Web-Schwergewichte verlieren ebenfalls.

Gegen 13 Uhr kommen die ersten Details der Rede, die Notenbank-Chef Alan Greenspan in Washington hält. Die Börsianer hören, dass in schwierigen Zeiten der Börse Verkäufe ganz normal seien und sich Anleger und Investoren keinesfalls auf die Hilfe der Notenbank verlassen dürfen. Das heisst: Die Zinsen werden steigen, auch wenn die Börse weiter hinuntergeht.

Die Zeit der Schnäppchenjäger naht: Gegen 14 Uhr ziehen die Kurse von Ebay, Stamps.com und PSInet wieder an. Die drei Aktien haben gegenüber ihren Höchstkursen zwischen 44 und 87 Prozent verloren - das macht sie aktuell recht preiswert.

Der niederländische Lebensmittelfilialist kauft sich beim angeschlagenen Internet-Lebensmittelhändler Peapod ein. Die renommierten Internet-Marktforscher Forrester Research warnen vor weiteren Pleiten unter den Webfirmen. Die meisten von ihnen werden bis Ende nächsten Jahres vom Markt verschwinden, meint Forrester. Für den Herbst erwarten die Marktforscher erneut eine Konsolidierung an der Börse, wenn die Wachstumsraten der Unternehmen nicht mehr so stark ausfallen wie bisher. Das soll selbst etablierte Player aus dem Markt kehren. Kleinere Anbieter mit "rasierklingen-dünnen Margen" werden die nötigen Marketingausgaben für die Hochsaison um Weihnachten nicht mehr zahlen können.

Das schickt den Markt noch weiter nach unten. Gegen 15.45 Uhr notiert die Nasdaq über zehn Prozent im Minus, der zweitgrösste Verlust überhaupt in der Geschichte. Im Dow Jones stehen alle Zeichen auf Rot - keiner der 30 Werte kann zulegen.

Handelsschluss: Bis auf Gold-Aktien gibt es nur Verluste. Im Dow Jones konnte sich kein Wert erholen. Die Nasdaq verbucht fast zehn Prozent Verlust und hat seit dem Höchststand am 10. März rund ein Drittel an Wert abgegeben. Die Verlierer des Tages sind Biotech-Werte, Software-Aktien und die Papiere der Finanzdienstleister.

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