BMW Ex-Rover-Chef will die Marke kaufen

Nun ist es offiziell: Ein von dem ehemaligen Rover-Chef John Towers angeführtes Konsortium will die britische Tochter übernehmen. Spekuliert wird über ein Angebot von 2,7 Milliarden Mark. Towers hat die Unterstützung der Gewerkschaften.

München - Ein von dem ehemaligen Rover- Chef John Towers angeführtes Konsortium hat BMW am Freitag das angekündigte alternative Angebot zur Übernahme der defizitären britischen BMW-Tochter Rover unterbreitet. Ein Sprecher von BMW bestätigte am Freitag in München, dass Towers Rover-Chef Werner Sämann bei einem Treffen am Rover-Stammsitz in Birmingham ein Schreiben übergeben habe, das einen entsprechenden Vorschlag enthalte.

Über Einzelheiten des Angebots sei ihm noch nichts bekannt, sagte der Sprecher. Auch über die weiteren Mitglieder des Konsortiums könne er nichts sagen. BMW will die Offerte nun prüfen.

In britischen Medienberichten hatte es zuletzt geheißen, Towers wollte mit Partnern umgerechnet rund 2,7 Milliarden Mark für die gesamte Rover Group mit Ausnahme der Geländewagenmarke Land Rover bieten. Dazu gehört auch die Produktion des neuen "Mini" und das Werk in Cowley bei Oxford, wo BMW weiterhin den Mini sowie Motoren produzieren will.

Der BMW-Sprecher erklärte dazu, der Münchener Autokonzern wolle am Mini und an Cowley fest halten. Towers war von 1994 bis 1996 Chef von Rover und war dann von BMW-Vorstand Walter Hasselkus abgelöst worden. Zurzeit ist er Chef des britischen Maschinenbaukonzerns Concentric Plc.

Bislang verhandelt BMW mit der Wagniskapitalgesellschaft Alchemy Partners exklusiv über den Verkauf der Pkw-Sparte von Rover. Der Münchener Autokonzern hatte jedoch erklärt, man sei offen für andere Angebote. Die Gespräche mit Alchemy sollten in sechs bis acht Wochen abgeschlossen sein.

Der BMW-Konzern hatte sich Mitte März dazu entschlossen, Rover Cars an die Londoner Risikokapitalfirma und Land Rover an den US-Konzern Ford zu verkaufen, nachdem die Verluste von Rover 1999 auf 2,4 (Vorjahr: 1,9) Milliarden Mark gewachsen waren.

In den vergangenen Tagen hatten bereits Gewerkschafter ihre Unterstützung für das Angebot von Towers angedeutet. Die Gewerkschaften befürchten bei einer Übernahme von Rover durch Alchemy den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen. Alchemy hatte nach Zeitungsberichten bereits angedeutet, 5000 der knapp 9000 Stellen bei Rover zu streichen. BMW hatte das Unternehmen darauf vor "verfrühten Äußerungen" gewarnt.

Die Produktion von Rover- Fahrzeugen - derzeit etwa 200.000 Autos pro Jahr - soll nach dem Willen von Alchemy drastisch gedrosselt werden, Rover unter dem Namen MG Car Company zu einem Sportwagenhersteller umgebaut werden.

Britische Gewerkschafter sagten, das Alternativangebot werde Arbeitsplätze sichern sowie eine bedeutende Produktionskapazität bei Rover erhalten. Dadurch könne BMW Geld sparen. Der Millionär John Hemmings hatte - unabhängig von Towers - ebenfalls ein alternatives Angebot für Rover erwogen.

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