Citigroup Verlorener Machtkampf an der Führungsspitze

Ende Februar kündigte Co-Chef John Reed seinen Rückzug aus der Unternehmensführung an. Ein Abgang mit Ehren? Nein: Berichten zufolge wurde Reed vom Fusionspartner Sanford Weill aus dem Amt gemobbt.

New York - Es war die bis dahin grösste Firmenfusion aller Zeiten: Im April 1998 kündigten John Reed, Chef der US-Grossbank Citicorp, und Sanford Weill, Chef des Finanzdienstleisters Travelers Group, den Zusammenschluss beider Häuser an. Die Fusion gilt unter Experten als einer der wenigen geglückten Geschäfte dieser Art.

Nur nicht für die Führungsspitze. Das beiden Chefs sollten das fusionierte Unternehmen gemeinsam leiten. Doch hinter den Kulissen tobte der Machtkampf, berichtet das "Wall Street Journal Europe".

Zwei Kulturen seien aufeinander geprallt. John Reed, 61, repräsentiert das zurückhaltende, analytisch vorgehende Management-Genie. Sanford Weill, 67, dagegen gilt als klassischer, bodenständiger, aber höchst erfolgreicher Geschäftsmann. Frühere Weggefährten konnten sich nicht vorstellen, dass Weill jemals Macht teilen wolle.

Zum offenen Bruch kam es schliesslich, so der Bericht, in einer Vorstandssitzung Ende Februar. Reed schlug vor, dass er und Weill nach der geglückten Fusion gemeinsam das Unternehmen verlassen und die Geschäfte einem Nachfolger übergeben sollten. Weill wollte bleiben. Acht Stunden später sei Reed ohne Job gewesen.

Nun steht der Ex-Travelers-Chef kurz vor dem Ziel. Zwar habe Citigroup eine Kommission eingesetzt, die nach einem Nachfolger für Reed Ausschau halten soll. Doch Weill habe inzwischen genügend Verbündete im Vorstand und den Grossaktionären gesammelt, die ihn als Nachfolger behalten wollen.

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