Atecs Siemens und Bosch erhalten den Zuschlag

ThyssenKrupp hat den Bieterstreit um die Mannesmann-Industrietocher verloren. Chris Gent entschied am Abend, das höhere Angebot von Bosch und Siemens anzunehmen. Damit ist auch der geplante Börsengang von Atecs vom Tisch.

Düsseldorf - Im Kampf um den Kauf der Mannesmann-Industriesparte Atecs sind Bosch und Siemens als Sieger hervorgegangen. Der Mannesmann-Vorstand hat nach eingehender Prüfung beschlossen, das Bosch/Siemens-Angebot anzunehmen und den ursprünglich geplanten Börsengang nicht weiter zu verfolgen.

"Mannesmann ist davon überzeugt, dass Atecs in Kombination mit Bosch/Siemens auch künftig ein sehr attraktiver Arbeitgeber sein und im Wettbewerb die Führungsposition ausbauen wird." Um die Industriesparte des Konzerns hatte auch die ThyssenKrupp AG geworben. Sie hatte ihr Angebot von ursprünglich 8,75 Milliarden Euro am Freitag nicht nachgebessert. Siemens und Bosch hatten 9,1 Milliarden Euro geboten. Um 14 Uhr war die Frist für die Abgabe eines endgültigen Angebots abgelaufen.

Siemens und Bosch waren Berichten zufolge schon seit gestern der Favorit. Der stellvertretende Mannesmann-Aufsichtsratvorsitzende Klaus Zwickel wies das allerdings als Spekulation zurück. "Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat haben sich noch nicht entschieden", erklärte der IG-Metall-Chef. Für die Arbeitnehmerseite sei entscheidend, dass Atecs Mannesmann als Einheit eine Zukunft habe. Mitentscheidend sei außerdem, was mit dem Röhrengeschäft passiere, das dürfe nicht auf der Strecke bleiben.

Am Montag wird der umbesetzte Mannesmann-Aufsichtsrat über Atecs endgültig entscheiden. In das Gremium wurden am Freitag vom Düsseldorfer Amtsgericht Vodafone-Chef Chris Gent sowie Kenneth Hydon, Lord MacLaurin und Wilhelm Haarmann neu bestellt.

Der gerichtliche Beschluss wurde erforderlich, um Vodafone nach der EU- Genehmigung der Übernahme von Mannesmann die vollständige Kontrolle über das Unternehmen zu geben. Die Aufsichtsratsmitglieder müssen von der Hauptversammlung gewählt werden.

Der bisherige Mannesmann-Aufsichtsratvorsitzende Joachim Funk hatte am Donnerstag seinen Posten niedergelegt. Aus dem Gremium sind von der Kapitalseite außerdem Heinz Dürr, Klaus Liesen und Heinz Riesenhuber ausgeschieden. Neuer Aufsichtsratvorsitzender von Mannesmann soll Vodafone-Chef Gent werden.

Der britische Mobilfunkanbieter besitzt rund 99 Prozent des Aktienkapitals von Mannesmann und will sich möglichst schnell von der Industriesparte Atecs trennen. Der ursprünglich vom Mannesmann- Vorstand geplante Börsengang für Juni dieses Jahres gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Atecs beschäftigt 90.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr 12,3 Milliarden Euro Umsatz.

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