Neuer Markt Zinssorgen lassen Techno-Werte erneut sinken

Inflationssorgen und damit einhergehende Befürchtungen über eine kräftige US-Zinsererhöhung haben den Optimismus über ein Ende der Talfahrt am Neuen Markt zunichte gemacht. Die US-Technologietitel sacken kräftig ab.

Frankfurt am Main - Nach einem überwiegend knapp behaupteten Verlauf lag der alle Werte umfassende Nemax-Index am Nachmittag mit 5791 Punkten 3,9 Prozent tiefer als am Donnerstag. Der Nemax 50 für die größten Werte des Segments verlor vier Prozent. Der US-Index für Technologiewerte Nasdaq verlor zum Handelsstart am Freitag über 200 Punkte.

Händler verwiesen zur Begründung für die Schwäche auf die jüngsten Verbraucherzahlen aus den USA, die den höchsten Anstieg seit Januar 1995 ausgewiesen hatten und damit eine Zinserhöhung in den USA sehr wahrscheinlich erscheinen ließen.

Wie es nun mit den Wachstumswerten in den USA und am Neuen Markt in den kommenden Tagen weiter gehen wird, darüber gab es geteilte Meinungen. Teils hieß es bei Händlern, die US-Zahlen seien ein Sonderfaktor, der schnell verflogen sein werde. Ein anderer Händler sagte indes, die nachgebenden Kurse, die es in Folge der jüngsten US-Daten gebe, würden eine Erholung der zuletzt arg gebeutelten Technolgiewerte nun zunächst hinausschieben. Die US-Technolgiebörse Nasdaq gab am Freitag in ihrer ersten Handelsstunde drei Prozent nach, nachdem sie zuvor bereits fast fünf Prozent im Minus gelegen hatte.

Vor den US-Zahlen hatte es am Neuen Markt noch Optimismus gegeben. "Ich denke, wir sind am unteren Ende für dieses Jahr", hatte ein Händler in Hamburg gesagt. Er erwarte schon ab der nächsten Woche wieder steigende Kurse. Auftrieb hatte der Neue Markt am Freitag zunächst von einer Studie der DG-Bank erhalten, die in diesem Jahr noch mit einer kräftigen Erholung des Nemax bis auf 8500 Punkte rechnet.

Das US-Arbeitsministerium hatte am Nachmittag mitgeteilt, die Verbraucherpreise in den USA seien im März in der Kernrate gegenüber Februar um 0,4 Prozent gestiegen. Dies war der höchste Anstieg seit Januar 1995. Die US-Notenbank hatte wiederholt erklärt, den gefahren einer steigenden Inflation mit steigeneden Zinsen begegnen zu wollen.

Zu den Gewinnern am Neuen Markt gehörten Tepla, die 9,3 Prozent auf 23,50 Euro zulegten. Eine Begründung dafür hatten Händler bei schwachen Umsätzen der Aktie nicht. Singulus stiegen ein Prozent auf 101,20 Euro, nachdem die DG Bank die Aktien in ihrer Studie zum Neuen Markt zum Kauf empfohlen hatte. Micronas profitierten von der Bekanntgabe deutlich höherer Gewinne im ersten Quartal. Die Aktien stiegen daraufhin um 8,1 Prozent auf 530 Euro.

Auf der Verliererseite standen TV Loonland ganz oben, deren Aktien 9,3 Prozent auf 146 Euro nachgaben. Händler machten dafür Gewinnmitnahmen verantwortlich, nachdem das erst vor kurzem an der Börse notierte Unternehmen trotz der Schwäche am Neuen Markt seinen Kurs gegenüber der Erstnotierung von 65 Euro auf 200 Euro mehr als verdreifacht hatte.

Broadvision gaben 12,2 Prozent auf ein Jahrestief von 39,50 Euro nach. Das Papier leide mehr als andere Titel unter der schwachen Verfassung der US-Technolgiebörse Nasdaq, weil es dort ebenfalls gelistet sei, hieß es am Markt. An der Nasdaq gaben Broadvision am Freitag rund zwei Dollar auf 37 Dollar nach.

Auch die Kleinwerte verloren am Freitag. Der SDax gab 0,99 Prozent auf 3295 Punkte und der Smax 0,79 Prozent auf 314,64 Zähler nach.

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