Aktientipps Aufsicht macht sich Sorgen

Die Börsenaufsicht rät zur Vorsicht bei Aktientipps aus dem Internet. Mehr als diesen Appell können die Aufseher nicht leisten - der Nachweis von Manipulation ist im Internet noch schwerer als bei "Börsengurus" im Fernsehen.

Frankfurt - Am 25. März hatte ein netter Internet-Surfer namens "Graham_II" einen tollen Aktientip parat: "Neue Lasertechnologie revolutioniert Chirurgie", schrieb er im Brokerboard von Consors - eine Plattform, die der Discountbroker im Internet bereit stellt, damit Surfer ihre Tipps austauschen.

Graham_II gab sich reichlich Mühe und schrieb ungewöhnlich viel Text. Besonderes Gewicht verlieh er seinen Aussagen dann im vorletzten Absatz: "Ich bin Analyst der West LB", heisst es da, "und arbeite derzeit an einer Studie über dieses Unternehmen die ich in 2 Wochen institutionellen Anlegern von uns vorstellen werde."

Sowohl Consors als auch die WestLB sind sich einig: Anleger, die glauben, dass Analysten ihre Studien vorab im Internet veröffentlichen, sollten ihr Geld besser auf dem Sparbuch lassen.

Dennoch bemerken auch die Banken, dass im Internet mit Aktientipps einiges schieflaufen kann. Auf einer gemeinsamen Tagung mit der Börsenaufsicht beschäftigten sich Bankenvertreter unter anderem auch mit dieser Frage.

Die Aufseher gehen inzwischen ebenfalls davon aus, dass auf elektronischen Pinnwänden und in Chat-Räumen zunehmend gefälschte Informationen über Unternehmen kursieren. Damit bestehe die Gefahr, dass unbedarfte Anleger Aktien dieser Firmen kaufen und damit den Kurs in die Höhe treiben, "während die Initiatoren ihre vorher zu Niedrigstpreisen gekauften Papiere mit saftigen Gewinnen abstoßen", so die hessische Börsenaufsicht.

Unter der Internet-Adresse Boersenaufsicht.de  veröffentlicht die Aufsichtsbehörde deshalb von sofort an Warnhinweise für Internetsurfer. "Nach deutschen Recht (Paragraf 88 Börsengesetz) ist schon die Verbreitung von falschen Tatsachen, mit dem Ziel, Börsenpreise zu manipulieren, strafbar", heißt es dort. Die Warnung richte sich "an kriminelle Profis genauso wie an Wichtigtuer in den News-Groups".

"Die Angaben auf Internet-Boards sollten Sie skeptisch würdigen, bevor Sie eine Anlage-Entscheidung treffen. Lassen Sie sich nicht durch Hochreden oder Falschangaben manipulieren."

Mehr als einen Appell kann die Aufsicht jedoch nicht liefern. Zwar können sich Anleger, die nachweisen könnten, dass sie durch falsche Informationen in ein Börsengeschäft gelockt wurde, an die Staatsanwaltschaft oder das Bundeskriminalamt wenden. Allerdings räumen die Börsenaufseher auch ein, "dass das Internet auf Grund seiner spezifischen Gegebenheiten einer systematischen Kontrolle schwer zugänglich ist". Wie der Beweis aussieht und wie man den Urheber des falschen Tipps ermittelt, ist offen.

Folgerichtig vermerkt die Börsenaufsicht am Finanzplatz Frankfurt auch noch keine "Manipulationen grossen Stils". Da können die Aufseher auch gleich den Fernseher einschalten. Die Empfehlungen marktenger Aktienwerte in Sendungen wie der "3sat-Börse" finden derzeit noch ein grösseres Publikum und lassen die Kurse nahezu garantiert steigen.

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