Heidelberger Druck Zum 150. Jubiläum wieder auf Start

Der traditionsreiche Weltmarktführer kann sich trotz guter Umsätze nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen: Gegen den Konkurrenten Xerox muss sich Heideldruck ein neues Standbein aufbauen. Damit soll die Aktie auch für private Anleger interessanter werden.

Heidelberg - Am Freitag feiert der Weltmarktführer der Druckbranche sein 150. Firmenjubiläum mit der Einweihung seiner neuen "Print Media Academy". Doch dem Unternehmen bleibt keine Zeit, um sich auf den Lorbeeren auszuruhen: Heidelberg - das Unternehmen heißt in Kurzform wie seine Heimatstadt - und der US- Riese Xerox haben sich den Kampf angesagt.

Die Heidelberger schwimmen seit Jahren auf der Erfolgswelle: Im Geschäftsjahr 1998/99 (31. März) erzielte der Konzern mit weltweit 24.000 Mitarbeitern 7,7 Milliarden Mark Umsatz - etwa doppelt so viel wie noch Mitte der neunziger Jahre.

Heidelberg hat sich durch zahlreiche Zukäufe vom Druckmaschinenhersteller zum Komplettanbieter gewandelt, bei dem Druckereien ihre gesamte Ausrüstung von der Druckvorstufe bis zur Weiterbearbeitung kaufen können. Damit ist Heidelberg eine "Ertragsperle" des Essener Hauptaktionärs RWE, der rund 56 Prozent der Anteile hält.

Trotz des Erfolgs drängt die Zeit. "Wir erzielen zur Zeit rund 80 Prozent unseres Umsatzes im traditionellen Offset-Druck", sagt der 46 Jahre alte Vorstandschef Bernhard Schreier. In Zukunft sei dort jedoch nur noch "moderates" Wachstum zu erwarten.

Darum will der Konzern den Digitaldruck zum zweiten Standbein machen. "Das ist für uns überlebenswichtig", sagt Schreier. "Wir erwarten in diesem Bereich jährliche Wachstumsraten von 15 bis 20 Prozent." Genau in diesem zukunftsträchtigen Bereich sieht sich Heidelberg aber dem starken Gegner Xerox gegenüber.

Der in Stamford/Connecticut ansässige US-Konzern ist Weltmarktführer im Digitaldruck - nach Heidelberger Schätzungen mit einem Marktanteil von 80 Prozent bei schnellen Maschinen für den schwarz-weißen Digitaldruck. "Wir wollen Xerox davon 30 Prozent abnehmen", nennt Schreier das ehrgeizige Ziel.

Um ein Mehrfaches größer als Heidelberg, erzielte Xerox 1998 mit 86 000 Mitarbeitern mehr als 19 Milliarden US-Dollar Umsatz. Zudem ist der Digitaldruck ein Kind der Kopierertechnologie - eine der Hauptstärken von Xerox.

Anders als bei traditionellen Druckverfahren müssen beim Digitaldruck nicht aufwendig Druckvorlagen angefertigt werden - jeder Druckauftrag kann individuell gestaltet werden. Im Gegensatz zu Xerox hatten die Heidelberger in diesem Bereich bis vor kurzem wenig Erfahrung. Daher kaufte Heidelberg im vergangenen Jahr die Sparte schwarz-weißer Digitaldruck des US-Konzerns Kodak. Für den digitalen Farbdruck gründeten Heidelberg und Kodak das Joint Venture Nexpress.

Doch Xerox will nicht nur im Digitaldruck die Nase vorn behalten, sondern die Heidelberger sogar als Weltmarktführer der Druckbranche ablösen. Xerox wolle Heidelberg bis zum Jahr 2003 vom Spitzenplatz ablösen, erklärte im Februar Pierre Danon, der Europa-Chef des US- Konzerns. Xerox wolle "ganz nach oben auf das Podest".

Die Heidelberger haben allerdings noch andere Eisen im Feuer. Auf der Drupa wollen sie die erste Zeitungsdruckmaschine des Unternehmens präsentieren - ein Gebiet, auf dem der Konzern bisher nicht vertreten war.

Mit der neuen Print Media Academy steigt Heidelberg auch massiv in Dienstleistungen für die Druckindustrie ein. Dort sollen künftig jedes Jahr 15 000 Menschen geschult und ausgebildet werden, sowohl eigene Mitarbeiter als auch die der Kundschaft. "Wir verabschieden uns von unserem Maschinenbau-Image", sagt Schreier.

Der Jubiläumswunsch des gelernten Maschinenbauingenieurs: Der Streubesitz-Anteil der Heidelberg-Aktien soll mittelfristig von derzeit 16,4 Prozent auf 25 Prozent steigen, "um die Aktie interessanter zu machen".

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.