Urteil Ex-Banker muss 67 Millionen Dollar zahlen

Die meisten Verantwortlichen für die Finanz- und Wirtschaftskrise sind bislang ungeschoren davongekommen. Nun hat es in den USA aber einen dicken Fisch erwischt. Ein Ex-Bankchef muss mehr als 67 Millionen Dollar zahlen. Am Hungertuch wird er künftig dennoch nicht nagen.
"Niemals ein Produkt gesehen, das toxischer ist": Der ehemalige Chef des einst größten US-Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, wusste genau, was er tat. Jetzt soll er 67 Millionen Dollar Strafe zahlen. Bevor Countrywide in der Finanzkrise abstürzte, füllte er seine Tasschen.

"Niemals ein Produkt gesehen, das toxischer ist": Der ehemalige Chef des einst größten US-Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, wusste genau, was er tat. Jetzt soll er 67 Millionen Dollar Strafe zahlen. Bevor Countrywide in der Finanzkrise abstürzte, füllte er seine Tasschen.

Foto: JONATHAN ERNST/ Reuters

Washington /New York) - Es ist eine der härtesten Strafen im Zusammenhang mit der Finanzkrise: Der ehemalige Chef des einst größten US-Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, muss insgesamt 67,5 Millionen Dollar (rund 48 Millionen Euro) zahlen, weil er seine Aktionäre über die gefährlichen Geschäfte der Firma auf dem Hypothekenmarkt im Unklaren gelassen hatte. Die Anleger verloren daraufhin viel Geld, während Mozilo selbst rechtzeitig ausstieg und reich wurde.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC zog Mozilo nun zur Rechenschaft. Die US-Medien feierten das Durchgreifen am Wochenende als einen der wenigen Fälle, in denen ein Firmenchef persönlich büßen musste. Bislang waren es - wenn überhaupt - die Unternehmen, die die Rechnung beglichen. Spektakulärster Fall war der von Goldman Sachs. Die Investmentbank hatte Investoren nach Ansicht der SEC getäuscht und um einen Milliardenbetrag gebracht. Goldman musste 550 Millionen Dollar berappen.

SEC-Chefermittler Robert Khuzami sprach von einer gerechten Strafe für den ehemaligen Countrywide-Lenker Mozilo. Niemals zuvor hatte die Börsenaufsicht nach eigenen Angaben eine höhere Buße gegen einen Konzernchef verhängt. Das Geld, mit dem zum überwiegenden Teil Mozilos Gewinne aus seinen Börsengeschäften abgeschöpft werden sollen, fließt den geschädigten Anlegern zu. Mozilo darf überdies nie mehr ein börsennotiertes Unternehmen führen.

Countrywide gilt wegen einer am Ende immer laxeren Kreditvergabe als wesentlich mitverantwortlich für die Immobilienkrise. Daraus erwuchs später die Finanz- und letztlich die Wirtschaftskrise. Der heute 71-jährige Mozilo, Sohn eines Metzgers aus dem New Yorker Problemstadtteil Bronx, hatte die Hypothekenbank vor vier Jahrzehnten zusammen mit einem inzwischen gestorbenen Partner gegründet. Die Firma wuchs rasant und stieg zur Nummer eins der Branche auf.

Zwei weitere frühere Topmanger verurteilt

Die SEC belangte zusammen mit Mozilo noch zwei weitere frühere Topmanager. Das Trio wusste demnach um die hohen Risiken, die Countrywide bei seinen Hypothekengeschäften einging. E-Mails verrieten sie. So schrieb Mozilo im April 2006 an den für das Tagesgeschäft verantwortlichen David Sambol: "In all meinen Jahren im Geschäft habe ich niemals ein Produkt gesehen, das toxischer ist."

In Zeiten stetig steigender Häuserpreise hatten selbst diejenigen von Countrywide noch Kredite bekommen, die kaum Geld oder Sicherheiten hatten. Dann brach der Markt 2007 abrupt zusammen. Die Preise fielen, die Zinsen stiegen, die Zahl der säumigen Schuldner nahm zu, Countrywide geriet in Not. Schließlich übernahm die Bank of America das Unternehmen 2008 für einen Bruchteil des früheren Werts.

Während viele Aktionäre Geld verloren, hatte Mozilo seine Schäfchen laut SEC schon 2006 ins Trockene gebracht. Auf Basis vertraulicher Informationen soll er illegale Gewinne von rund 140 Millionen Dollar eingestrichen haben. Um einem langwierigen und unkalkulierbaren Gerichtsverfahren aus dem Weg zu gehen, setzte die SEC im Rahmen eines Vergleichs nun aber eine niedrigere Summe an. Ein Richter erteilte der Übereinkunft seinen Segen.

rei/dpa