Wechselkurs Dollar auf Erholungskurs

Der nachlassende Appetit der Anleger auf Spekulationen gegen den Dollar hat zu einem Wertverlust des Euro geführt. Eine anhaltende Trendwende sehen Analysten darin jedoch nicht.
Durchatmen: Der Euro ist wieder unter die Marke von 1,40 Dollar gesunken

Durchatmen: Der Euro ist wieder unter die Marke von 1,40 Dollar gesunken

Foto: Corbis

Frankfurt am Main - Der Euro  fiel auf 1,3852 Dollar, nachdem er am Freitag zeitweise auf ein Neun-Monats-Hoch von 1,4157 Dollar geklettert war.

An der Erwartung einer weiteren Lockerung der US-Geldpolitik habe sich zwar nichts geändert, schrieben die Analysten der Commerzbank in ihrem Marktkommentar. "Doch irgendwann sind alle Argumente, die eine Belastung für den Dollar ableiten, vorgebracht."

Außerdem deuteten die jüngsten Aussagen von Fed-Chef Ben Bernanke daraufhin, dass die US-Notenbank die Geldpolitik nur langsam lockern werde. "Damit kommt es wohl nicht so schlimm, wie einige erwartet haben. Doch die Unsicherheit darüber bleibt bestehen."

Für Helaba-Analyst Ralf Umlauf ist die Dollar-Erholung nur ein Zwischenhoch. Er betrachtet die aktuellen Kursrückgänge des Euro eher als Chance für den Einstieg als den Beginn einer Trendwende.

Dollar-Index fiel um 8 Prozent

In den vergangenen fünf Wochen war der Dollar-Index, der die Wechselkurse zu sechs wichtigen Währungen widerspiegelt, um rund 8 Prozent gefallen. Dies ist der stärkste Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008.

Analysten zufolge ist es für den Index entscheidend, über der charttechnisch wichtigen Marke von 76 Punkten zu bleiben. Sollte er darunter fallen, sei ein Test des Tiefs bei 74,17 Zählern vom November 2009 möglich. Am Montagvormittag lag der Dollar-Index 0,7 Prozent im Plus bei 77,57 Punkten.

Über die Auswirkungen der Meinungsverschiedenheiten zwischen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber und EZB-Chef Jean-Claude Trichet waren sich Börsianer uneins. Während Helaba-Experte Umlauf darin einen Belastungsfaktor für die Gemeinschaftswährung sah, kam Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank, zum gegenteiligen Urteil. "Ich halte den aktuellen Diskurs für zwingend erforderlich. Er stellt die Stabilitätspolitik der Europäischen Zentralbank nicht infrage."

Auch an den Chancen des obersten deutschen Währungshüters auf die Nachfolge Trichets an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) habe sich nichts geändert, betonte Hellmeyer. "Weber positioniert sich als Stabilitätspolitiker." In einem Umfeld sich nivellierender Standards unter den Notenbanken sei dies eine erfrischende Haltung.

Trichet brüskiert Weber

EZB-Ratsmitglied Weber hatte vergangene Woche vor einem zu späten Ausstieg der Europäischen Zentralbank aus ihrer derzeitigen, ultra-lockeren Geldpolitik gewarnt. Außerdem kritisierte er den Ankauf von Staatsanleihen. Trichet betonte in einem Zeitungsinterview vom Wochenende: "Das ist nicht die Position der überwältigenden Mehrheit im Rat."

Bei den Anleihen hielten sich viele Anleger zurück. Sie warteten auf die in den kommenden Tagen anstehenden Konjunkturdaten, sagten Börsianer. Vor allem von den US-Zahlen erhofften sie sich Hinweise, wie stark die Fed ihre Geldpolitik lockern werde. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stabilisierte sich nach seinem Kursrückgang der vergangenen Woche und notierte kaum verändert bei 130,66 Punkten.

mg/rtr