Donnerstag, 19. September 2019

Die Welt der Reichen "Ab 300 Millionen Euro auf der sicheren Seite"

Reichtum in Deutschland: Altes Geld, junge Gründer, Lottomillionäre
Corbis

2. Teil: "Überraschend viele führen ein normales bürgerliches Leben"

mm: Die Mitte als Sprungbrett also?

Lauterbach: In der Tat. Zwar kann die Mittelschicht meist keine derart hohen Vermögen aufbauen. Durch die Weitergabe eines kleineren Vermögens können diese Haushalte aber zum Reichtum der nachfolgenden Generationen beitragen. Der Rest muss selbst erarbeitet werden, denn es zeigt sich: Je niedriger der ökonomische Status der Eltern war, umso wichtiger ist die Erwerbstätigkeit.

60 Prozent der Aufsteiger aus Elternhäusern mit geringem Status haben den Sprung zum Reichtum durch Arbeit geschafft. Im Vergleich zu den anderen Gruppen sind für Personen, die aus weniger gut betuchten Häusern stammen, die eher exotischen Wege zu Reichtum relativ wichtig. Knapp 15 Prozent von ihnen wurden durch Lottogewinne, Börsenspekulationen oder ein glückliches Händchen mit Immobilien vermögend.

mm: Was machen die Reichen dann mit ihrem Geld?

Lauterbach: Überraschend viele sind sehr stark in Stiftungen oder mit Spenden engagiert. Vier von fünf Reichen geben in irgendeiner Form einen Teil ihres Geldes für gemeinnützige Zwecke. Erstaunlicherweise zeigen die Erben dabei weniger Verantwortungsgefühl als die Gründer und Unternehmer. Wer durch eigene Arbeit reich wurde, der hat oft erfahren, dass es in der Welt nicht immer gerecht zugeht, und dass zu seinem Erfolg auch Zufall und Glück beigetragen haben. Deshalb wollen diese Menschen etwas zurückgeben - und helfen etwa jungen Gründern beim Aufbau ihrer Firmen.

mm: Also keine riesigen Jachten und goldenen Wasserhähne?

Lauterbach: Dieses Klischee trifft nur auf einen Bruchteil der Reichen zu. Überraschend viele führen ein normales bürgerliches Leben als "millionaire next door", wo nicht einmal gute Freunde über die entspannten Vermögensverhältnisse Bescheid wissen. Das hat sicher etwas zu tun mit der Angst vor Neidern, aber vor allem auch mit dem Wissen, dass das Geld in den meisten Fällen eben das Ergebnis harter Arbeit ist. Und dass auch ein Multimillionär nicht vor Verlusten und Pleiten gefeit ist.

Gerade als Unternehmer, dessen Vermögen ja meist in der Firma steckt, schwingt das Risiko gedanklich immer mit. Als Faustregel lässt sich formulieren: Erst ab 300 Millionen Euro ist man auf der ganz sicheren Seite. Vermögen dieser Größenordnung lassen sich nicht mehr vernichten.

Reiche in Deutschland: Altes Geld, junge Gründer

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