Deutsche / Dresdner Frankfurter Großbanken vor Scherbenhaufen

Die Frankfurter Großbanken stehen vor einem Trümmerfeld. Das dilettantische Management des abgebrochenen Eheversuchs wirft in der Finanzwelt zunehmend Fragen nach der Zukunft der gescheiterten Fusionspartner auf.

Frankfurt am Main - Erstes prominenter Verlierer des "Desaster of Equals" ist der Chef der Dresdner Bank, Bernhard Walter. Er verkündete am Donnerstag seinen Rücktritt. Sein Kollege von der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hält einen solchen Schritt für nicht angebracht, aber auch er steht nun als Verlierer da.

Bis Anfang dieser Woche wurde die Fusion zur weltgrößten Bank noch als "Quantensprung" in der Kreditwirtschaft zu einem "Powerhaus mit Pulver" hochgejubelt. Rücktrittsforderungen und Spekulationen über weitere personelle Konsequenzen sind bereits in vollem Gange.

Auch die jäh verstummten Übernahme-Gerüchte haben wieder neue Nahrung bekommen. Bis zum eindeutigen Dementi können derzeit ständig neue ausländische Institute genannt werden, die ihr Auge auf die Dresdner Bank geworfen haben. Selbst die zurückhaltende Deutsche Bundesbank beklagt einen Imageschaden für den Bankenplatz Deutschland. Es bleibe zu hoffen, dass sich die negativen Folgen in Grenzen hielten, sagte ihr Präsident Ernst Welteke.

Schädlich für beide Häuser dürften sich auch die gegenseitigen Unterstellungen der enttäuschten Brautleute auswirken. Während Breuer die Schwächen beim Konkurrenten Dresdner noch diplomatisch andeutet, wird inoffiziell schon schweres Geschütz aufgefahren. "Die Dresdner ist bei ihrem Modernisierungsprozess mehrere Jahre zurück." Erst der zweite und dritte Blick in die Bücher habe die Schwachstellen beim Konkurrenten aufgedeckt. Aus der Gegenrichtung der grünen Beraterbank wird kolportiert, die Manager der Deutschen hätten sich als Übernehmer und nicht als Partner aufgeführt.

Kritisch wird in der Finanzwelt mittlerweile auch die Kompetenz der Deutschen Bank im Investmentbanking beäugt. Die Beratung von Firmen bei Übernahmen und Fusionen sowie die Bewertung von Unternehmen gehöre zum Kern dieses profitablen Geschäftes. Dass zwischen der Dresdner-Investment-Tochter Kleinwort Benson in London und der Deutschen Bank erhebliche Überschneidungen bestehen, hätte vorher bekannt sein müssen. Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung erfolgreicher Teams mit diesen hoch bezahlten Spezialisten seien in der Branche auch Allerweltswissen, wird bei der Konkurrenz gelästert.

Der Investment-Vorstand der Deutschen Bank, Josef Ackermann, räumte Defizite bei der Beurteilung der Erfolgsaussichten sogar ein. Man habe die hohe Identifikation der Mannschaften mit ihren Mutterhäusern unterschätzt. "Wir waren der Annahme, dass es schneller zu einer gemeinsamen Bank kommt."

Unverständnis hat in der Frankfurter Finanzszene auch der scheinbare Strategieschwenk von Breuer ausgelöst. Bis zum Dienstag war die Fusion noch die Basis für einen "Champion" mit globaler Reichweite und starker Wettbewerbsposition. In der gemeinsamen Bank 24 entstünde durch Kooperation mit der Allianz sogar eine "neue Qualität der Dienstleistungskompetenz". Am Mittwoch wurde plötzlich das hohe Lied für den Alleingang angestimmt: "Die neue Deutsche Bank ist hervorragend für strategisches Wachstum und Rentabilität positioniert."