Hypo Real Estate 200-Milliarden-Bad-Bank gestartet

Zwei Jahre nach dem knapp verhinderten Zusammenbruch hat die verstaatlichte Hypo Real Estate einen Großteil ihrer Giftpapiere in eine Abwicklungsanstalt ausgelagert. Rund 200 Milliarden Euro Nennwert soll die größte Bad Bank der Finanzgeschichte aufnehmen.
Finanzgeschichte geschrieben: Hypo Real Estate bekommt gigantische Abwicklungsanstalt

Finanzgeschichte geschrieben: Hypo Real Estate bekommt gigantische Abwicklungsanstalt

Foto: dapd

Berlin - Die noch ausstehenden Zustimmungen von Aufsichtsrat und Hauptversammlung wurden am Donnerstagabend eingeholt, die entsprechenden Verträge unterzeichnet. "Die Übertragung erfolgt nun am Wochenende", sagte ein Sprecher des verstaatlichten Instituts am Freitag.

Die Bad Bank, die die maroden Papiere aufnimmt, wird voraussichtlich ein Volumen von 191 Milliarden Euro haben und damit noch wesentlich größer sein als die "Erste Abwicklungsanstalt" der WestLB mit rund 77 Milliarden Euro.

Bei der HRE geht es vor allem um Kredite, Wertpapiere und Derivate. Drei Viertel kommen von der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa. Die Bad Bank mit dem Namen FMS Wertmanagement soll die Papiere in den nächsten Jahren nach Möglichkeit ohne große Verluste abbauen.

Neuanfang für Rest-HRE als Deutsche Pfandbriefbank

Für die Rest-HRE soll es zwei Jahre nach dem Fast-Kollaps ein Neuanfang werden. In der heißen Phase der Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers war auch die HRE in eine Schieflage geraten und musste vom Staat aufgefangen werden. Seitdem hat sie zehn Milliarden Euro an Kapital sowie Bürgschaften von 142 Milliarden erhalten.

Ein Zusammenbruch der als "systemrelevant" eingestuften Bank hätte vermutlich weitere Geldhäuser mit in den Abgrund gerissen. Dank der Auslagerung in die Bad Bank ist für die verbliebene HRE wieder Land in Sicht. Sie will sich am Kapitalmarkt unter dem neuen Namen Deutsche Pfandbriefbank (pbb) etablieren.

Der Schwerpunkt als Staats- und Immobilienfinanzierer soll nur noch auf Europa liegen. Die Kernbank dürfte noch eine Bilanzsumme von 100 bis 130 Milliarden Euro haben - also maximal ein Drittel der Größe des einstigen Dax-Konzerns.

Unmut über HRE-Sonderzahlungen

In der CDU wächst unterdessen der Ärger über die jüngsten Sonderzahlungen bei der HRE in Höhe von 25 Millionen Euro. "Eine Bank, die permanent mit Steuermitteln vor dem Konkurs bewahrt wird, kann einfach keine Boni an ihre Mitarbeiter auszahlen - und schon gar nicht in dieser Höhe", sagte der Unions-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder dem "Hamburger Abendblatt".

"Wenn die HRE in Konkurs gegangen wäre, hätte niemand mehr ein Gehalt geschweige denn einen Bonus bekommen." Bisher gibt es nur eine Gehaltsbeschränkung von 500.000 Euro für Vorstände staatlich gestützter Banken, nicht aber für Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene, um die es im HRE-Fall ging. Das Justizministerium prüft allerdings, ob bei Finanzinstituten, die mit Steuergeldern gerettet wurden, nachträglich in Arbeitsverträge eingegriffen werden kann, um die Vergütungen von Managern zu beschränken.

ak/la/dpa-afx
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