Kursrally Hochtief sieht ACS-Offerte als feindlich an

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief sieht die Übernahmepläne seines Großaktionärs ACS als feindliches Angebot an. Die Aktie klettert unterdessen weiter: Anleger spekulieren darauf, dass ACS nach seinem Mindestgebot weitere Hochtief-Aktien an der Börse kaufen wird.
Hochtief: Der Übernahmepoker treibt den Aktienkurs von Deutschlands größtem Baukonzern

Hochtief: Der Übernahmepoker treibt den Aktienkurs von Deutschlands größtem Baukonzern

Foto: A3512 Roland Weihrauch/ dpa

Frankfurt - "Ja, so müssen wir es auffassen", sagte Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters auf die Frage, ob er die Offerte von ACS als feindliches Angebot ansehe. "Wir haben ACS immer so verstanden, dass sie keine weiteren Anteile erwerben wollen", sagte der Hochtief-Chef mit Blick auf den Großaktionär, der derzeit 29,98 Prozent hält.

Auf die Frage, ob Hochtief nun an einer Abwehrstrategie arbeite, sagte Lütkestratkötter: "Wir sitzen mit unseren Beratern zusammen und diskutieren alle Aspekte dieser für uns neuen Situation."

ACS hat eine Übernahme von längerfristig "knapp über 50 Prozent" an Hochtief ins Visier genommen. In einem ersten Schritt will der spanische Konzern in einer am Donnerstag angekündigten freiwilligen Übernahmeofferte je acht eigene Aktien für fünf Hochtief-Anteilsscheine bieten. "Marktteilnehmer haben darauf überwiegend enttäuscht reagiert", betonte Lütekstratkötter. "Das kann ich gut nachvollziehen."

"Erkennen keine Vorteile für die Aktionäre"

Lütkestratkötter unterstrich, dass die Unabhängigkeit des Konzerns Hochtief stark gemacht habe. "Wo für Hochtief und vor allem seine Aktionäre die Vorteile (der Übernahmeofferte) liegen sollen, erkennen wir nicht, und dies hat auch ACS noch nicht dargelegt", betonte er. "Damit werden wir uns befassen, sobald das konkrete Angebot vorliegt", fügte er hinzu. "Unsere Unabhängigkeit macht uns stark, das sehen auch unsere Geschäftspartner so."

Hochtief sei international gut in allen wichtigen Wachstumsmärkten vertreten, betonte der Hochtief-Chef. Dies habe der Konzern aus eigener Kraft geschafft. "Davon möchte ACS profitieren", sagte er.

Aktien von Hochtief legen weiter zu

Aktien von Hochtief legten unterdessen weiter zu. Die Papiere verteuerten sich bis 12.05 Uhr um 2,93 Prozent auf 61,19 Euro. ACS zogen gleichzeitig auf 36,540 Euro an.

Börsianern zufolge hängt der Hochtief-Kurs nach dem Angebot der Spanier in eigenen Aktien vor allem von deren Kursentwicklung ab. Der rechnerisch faire Wert liegt angesichts des Angebots von acht ACS-Aktien für fünf Hochtief-Anteile aktuell bei 58,46 Euro.

Offerte ist gesetzliches Minimum - weitere ACS-Käufe über die Börse möglich

Das Angebot von ACS orientiert sich am Durchschnittskurs der Hochtief-Aktie der vergangenen drei Monate und ist damit das gesetzlich vorgeschriebene Minimum. Diese erste Offerte ist für Hochtief-Aktionäre wenig interessant, da der aktuelle Kurs der Aktie bereits deutlich darüber liegt.

Mit dem freiwilligen öffentlichen Angebot dürfte ACS dennoch die Hürde von 30 Prozent nehmen und könnte danach seine Beteiligung über Käufe an der Börse weiter aufstocken, ohne allen Aktionären ein weiteres Angebot machen zu müssen.

Analyst Michael Kuhn von der Deutschen Bank blieb auf "Buy" mit einem Kursziel von 80,00 Euro. Dass die Spanier lediglich das für Anleger unattraktive gesetzliche Mindestgebot für Hochtief offeriert haben, deute darauf hin, dass ACS die Anteile über die Börse billiger zu bekommen hofft, als über einen üblichen Aufschlag für die Aktionäre. Er geht davon aus, dass ACS zum Ende der Angebotsperiode bereits knapp 50 Prozent der Hochtief-Anteile besitzen wird und dem Konzern damit nur noch ein geringer Anteil bis zur angestrebten Mehrheitsbeteiligung fehlen wird.

Die LBBW stockte in einer Reaktion auf die Übernahmeofferte vom Vortag ihr Hochtief-Kursziel von 61 auf 70 Euro auf . Das Angebot von ACS sei nicht attraktiv, der seit Jahren bestehende Bewertungsabschlag zum fairen Wert des Baukonzerns dürfte sich jetzt jedoch verringern, begründete Analyst Alexander Groschke. Das aktuelle Kursniveau dürfte den Boden darstellen, Rückschlagsrisiken seien begrenzt.

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