Börse Verfallstag und Irland bremsen Dax aus

Der Dax hat am Freitag zeitweise die Marke von 6300 Punkten überwunden - doch nach Ablauf der Terminkontrakte am großen Verfallstag drehte der Index zurück ins Minus. Schwache US-Konsumdaten belasten zusätzlich. Der Goldpreis notiert unterdessen auf Rekordhoch.
Bulle vor der Frankfurter Börse: Schwache US-Konsumdaten bremsten die Kauflust

Bulle vor der Frankfurter Börse: Schwache US-Konsumdaten bremsten die Kauflust

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

New York/Frankfurt am Main - Die sinkende Kauflaune der US-Bürger und Spekulationen über die Finanzkraft des irischen Bankensektors haben den Anlegern am Freitag die Lust auf Aktien verdorben. Der Dax schloss am Tag des großen Verfalls am Terminmarkt ("Hexensabbat") 0,6 Prozent tiefer bei 6209 Zählern und hat damit auf Wochensicht 0,1 Prozent eingebüßt.

Der europäische Stoxx50 gab am Freitag 0,5 Prozent auf 2541 Stellen nach. Das von der Universität Michigan und von Reuters ermittelte US-Konsumklima war im September auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gefallen.

"Der Rückgang des Indikators ist zwar eher klein, aber in der aktuellen Situation dennoch misslich, da er die ohnehin bestehenden Sorgen über eine deutliche Abschwächung der US-Konjunktur noch verstärken könnte", kommentierte Postbank-Volkswirt Heinrich Bayer.

CDS-Prämien für irische Staatsanliehen auf Rekordhoch

Die europäischen Aktienmärkte drehten am Mittag ins Minus, nachdem die fünfjährigen Kreditausfallversicherungen (CDS) auf irische Staatsanleihen auf ein Rekordhoch von 425 Basispunkten geklettert waren. "Das hat den Markt verunsichert, bei Irland denkt man schnell auch an Banken", sagte ein Händler. Die Regierung in Dublin dementierte jedoch Gerüchte, Irland benötige Finanzhilfe aus dem Ausland.

Finanzwerte schwach im Sog der Bank of Ireland

Europaweit gaben Finanzwerte nach, der Stoxx-Branchenindex büßte 0,9 Prozent ein. An der Börse in Dublin stürzten die Aktien von Allied Irish Banks und Bank of Ireland elf beziehungsweise 5,3 Prozent ab. "Anleger sind sich immer noch unsicher, wie viel die Rekapitalisierung des irischen Bankensektors kosten wird", sagte Nick Stamenkovic vom Brokerhaus Ria.

In Frankfurt verloren die Aktien der Commerzbank  und der Deutschen Bank 1,5 beziehungsweise 1,8 Prozent. Die Titel der beiden Versicherer Allianz und Münchener Rück gehörten mit Abschlägen von bis zu 2,5 Prozent ebenfalls zu den größten Verlierern.

Belastet wurde der Dax von Kursverlusten der beiden Index-Schwergewichte RWE und Eon  in Höhe von 2,9 beziehungsweise zwei Prozent. Einem Zeitungsbericht zufolge droht dem Energiekonzern im kommenden Jahr ein Ergebniseinbruch von 1,5 Milliarden Euro.

SAP und Infineon fest - Anleger hoffen weiter auf Dividende

Gefragt waren hingegen Technologiewerte, nachdem die beiden US-Konzerne Oracle und Research in Motion (RIM) mit guten Nachrichten das Interesse auf sich gezogen hatten. Die Aktien des größten europäischen Softwarekonzerns SAP  verteuerten sich um ein Prozent. Der US-Konkurrent Oracle hatte im ersten Quartal rund 25 Prozent mehr Software verkauft sowie über ein merklich anziehendes Geschäft mit Computern berichtet. Händlern zufolge stiegen damit die Erwartungen für die gesamte Branche. Oracle-Aktien schossen 6,4 Prozent nach oben.

Die Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon profitierten von Hoffnungen auf eine Dividende und schlossen in Frankfurt 2,2 Prozent fester. Nach dem Verkauf der Handychip-Sparte könne eine Sonderausschüttung "auf keinen Fall" ausgeschlossen werden, sagte Konzernchef Peter Bauer in einem Interview.

Carrefour stützt Metro

Ein als ambitioniert interpretierter Geschäftsplan des französischen Handelsriesen Carrefour zog europaweit Einzelhandelstitel mit. Der Branchenindex gewann 1,5 Prozent. Metro-Aktien gehörten mit einem Plus von 3 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. Carrefour legten in Paris 4,6 Prozent zu.

Hochtief klettert weiter

Für Gesprächsstoff sorgten erneut die Übernahmepläne des spanischen Großaktionärs ACS beim größten deutschen Baukonzern Hochtief. Hochtief-Aktien bauten ihre 5,6-prozentigen Vortagesgewinne um weitere 2,6 Prozent aus. "Die Anleger setzen darauf, dass es zur Übernahme kommt", sagte ein Händler. Konzernchef Herbert Lütkestratkötter hatte die ACS-Offerte in einem Reuters-Interview als feindlich bezeichnet.

ThyssenKrupp verkauft HSY an Abu Dhabi

ThyssenKrupp-Aktien  verteuerten sich ebenfalls. Die Aktien des Mischkonzerns profitierten laut Händlern von dem bevorstehenden Verkauf der griechischen Werft HSY. Nach langem Gezerre mit der Regierung in Athen gaben beide Seiten am Donnerstag einen Durchbruch bekannt.

Einziger Dax-Wert im Minus waren die Papiere der Deutschen Bank  mit einem Abschlag von 0,2 Prozent. Händlern zufolge belastet hier die große Kapitalerhöhung weiter den Kurs. Am Montag hatte der deutsche Branchenprimus eine Rekord-Kapitalerhöhung um mindestens 9,8 Milliarden Euro angekündigt und damit zuvor kursierende Spekulationen bestätigt.

Gold erneut auf Rekordhoch

In London kletterte der Preis für eine Feinunze (31,10 Gramm) Gold  bis auf 1282,75 Dollar. Gold gilt als krisenfeste Anlage, da es von einer Geldentwertung nicht betroffen ist. Auch Privatanleger steigen teils auf Gold um und setzen dabei verstärkt auf so genannte ETF.

Das Edelmetall kann aber auch an Wert verlieren. Zudem werfen Anlagen in Gold keine Zinsen wie etwa Sparkonten ab. Der Preis für eine Feinunze Silber stieg auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Sie kostete 20,99 US-Dollar. Händler machten die Schwäche des Dollar für die erneuten Kursgewinne verantwortlich.

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Gold: Begehrte Währung

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In Euro gerechnet, wurde der Preisanstieg aber gebremst. Der Kurs des Euro stieg im frühen Handel deutlich und überschritt die Marke von 1,31 US-Dollar. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,3146 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,7607 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag noch auf 1,3078 (Mittwoch: 1,2989) Dollar festgesetzt. Die derzeit insgesamt freundliche Stimmung an den Aktienmärkten beflügle den Euro, sagten Händler. Zudem wirke auch die erfolgreiche Auktion spanischer Staatsanleihen vom Donnerstag nach.

ak/dpa-afx/reuters/afp
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