Samstag, 20. April 2019

Geldanlage Markt für Genussscheine trocknet aus

Auf rot: Die großen deutschen Banken haben kein Interesse mehr an Genussscheinen

Der gute alte Genussschein liegt wohl auf dem Sterbebett. Immer weniger Investoren interessieren sich für diese urdeutsche Anlageform. Und immer weniger neue Papiere kommen auf den Markt. Die neuen Bankenregeln - Stichwort Basel III - dürften dem Finanzierungsinstrument endgültig den Garaus machen. 

Hamburg - Er zählt zu den deutschen Spezialitäten, wie Eisbein mit Sauerkraut, wie guter Fußball und wie das unvergleichlich übersichtliche Steuersystem: Die Rede ist vom Genussschein, einer Form der Unternehmensfinanzierung, die es so kaum anderswo auf der Welt gibt.

Seit einiger Zeit steckt das Finanzinstrument, das je nach Ausgestaltung in der Grauzone zwischen Aktie und Anleihe, zwischen Eigen- und Fremdkapital rangiert, jedoch in der Krise. Die Banken, die schätzungsweise 90 Prozent des Marktvolumens ausmachen, bringen kaum noch neue Papiere heraus. Und die Anleger, die sich jahrelang über vergleichsweise sichere Zins- und Schlusszahlungen freuen konnten, werden plötzlich immer öfter wegen Einbußen beim Emittenten zur Kasse gebeten. Der Markt für Genussscheine, so scheint es, steht vor dem Aus.

Bei der DZ Bank jedenfalls räumt man der Finanzierungsform keine große Zukunft mehr ein. "Banken werden künftig eher keine neuen Genussscheine auf den Markt bringen", sagt Analyst Oliver Piquardt. "Nach den jüngsten Änderungen im regulatorischen Umfeld sind die Papiere für die Institute einfach nicht mehr attraktiv."

"Durch Basel III hat sich viel geändert"

Piquardt spricht die neuen Eigenkapitalvorgaben nach Basel III an, die die internationalen Bankenaufseher jüngst beschlossen haben. "Bisher war der Genussschein für Banken eine im Vergleich etwa zu Aktien günstige Alternative um an Eigenkapital zu kommen", so Piquardt. "Spätestens nach Basel III steht aber für die Institute vor allem die Höhe des so genannten Tier-1-Kapitals im Mittelpunkt - und da zählen Genussscheine nicht dazu."

Mit der Skepsis steht die DZ Bank nicht alleine da. Ähnliches ist von anderen Marktbeobachtern zu hören. "Durch Basel III hat sich viel geändert", sagt etwa Kreditanalyst Gunnar Stangl von der Commerzbank. "Wir erwarten keine große Emissionstätigkeit bei traditionellen Genussscheinen mehr."

Der Niedergang dieses Investmenttyps scheint also besiegelt. Denn auch auf der anderen Seite, bei den Investoren, besteht kaum noch Interesse. "Der Markt für Genussscheine war seit jeher teilweise eingeschränkt", sagt Michael Brune aus dem Management des auf diese Gattung spezialisierten Investmentfonds "Warburg Multi Genuss". "Seit Beginn der Finanzkrise ist das Geschehen aber noch deutlich zurückgegangen." Mittelzuflüsse in dem Fonds gibt es laut Brune daher kaum.

Die Erfahrung machen auch andere Fondsmanager. Der "Genussscheinfonds" der ehemaligen Cominvest etwa, der inzwischen von Allianz Global Investors geführt wird, ist mangels Marktliquidität seit Frühjahr 2009 geschlossen und soll 2012 aufgelöst werden. Anleger können Geld derzeit weder abziehen noch einzahlen. Gleiches gilt für den "HSBC Genüsse International" von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

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