Freitag, 19. April 2019

Postbank-Übernahme Ackermanns kühles Kalkül

Ackermanns Expansion: Die Zukäufe der Deutschen Bank
DPA

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann schafft Klarheit: Das lange Warten auf die Postbank-Übernahme hat ein Ende, die damit verbundenen hohen Kosten werden verbucht, das Privatkundengeschäft gestärkt - oder doch nicht? Die Deutsche Bank stellt sich auf verschiedene Szenarien ein, die auch noch möglich sind.

Hamburg - Die Aktionäre der Postbank stehen vor einer schweren Entscheidung. Sollen sie ihre Anteilsscheine der Deutschen Bank andienen, die dafür nur den gesetzlich geforderten Mindestpreis zahlen will, 24 bis 25 Euro? Das entspricht dem Kurs der vergangenen Monate, der schon von der Erwartung geprägt war, dass der Frankfurter Branchenriese bald das Ruder in Bonn übernimmt. Doch manch ein Aktionär dürfte auf eine Übernahmeprämie gehofft haben, bis hin zu 44 Euro, die Josef Ackermann für eine Kaufoption auf verbliebene Anteile der Deutschen Post ausgehandelt hat.

"Es ist unwahrscheinlich, dass die Minderheitsaktionäre Aktien unter diesen Bedingungen anbieten werden", sagt deshalb Finanzexperte Heino Ruland. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rät von einer schnellen Annahme des Angebots ab. "Für die Postbank-Aktionäre gibt es keine Notwendigkeit, jetzt zu verkaufen. Die Zeit arbeitet für sie", meint DSW-Sprecher Marco Cabras.

Andererseits gilt Cabras' Satz noch mehr umgekehrt für die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen: Die Zeit arbeitet für sie. Im Februar 2012 kommt sie sowieso an die Mehrheit der Postbank-Aktien, von denen sie bereits 29,5 Prozent hält. Denn dann wird eine Wandelanleihe der Deutschen Post Börsen-Chart zeigen fällig, die nur die Deutsche Bank gezeichnet hat. Die Scheine verwandeln sich in Postbank-Aktien Börsen-Chart zeigen. Weitere Anteile kann sie bis Februar 2013 per Option von der Post übernehmen - alles schon bezahlt.

Die Deutsche Bank hat keine Notwendigkeit, jetzt Postbank-Aktien zu kaufen und zu diesem Zweck gar das Übernahmeangebot aufzustocken - auch wenn Ackermann gerade wortreich beteuert, wie wichtig ihm der Kauf ist, und sogar die "Treue zum Heimatmarkt" bemüht. "Das Ziel ist, dass wir die Postbank konsolidieren und führen", erklärt ein Banksprecher. Möglichst noch in diesem Jahr soll das Institut in die Konzernbilanz aufgenommen werden. Dazu müssten die freien Aktionäre, die 30,5 Prozent der Postbank-Aktien halten, mindestens 21 Prozent der Deutschen Bank anbieten, die so auf eine Mehrheit käme. Genau mit dieser Annahmequote rechnet Ackermann.

Was eine hohe oder niedrige Annahmequote bedeuten würde

Doch was, wenn sich die Postbank-Aktionäre anders verhalten als erwartet? "Wir haben drei Szenarien zur Annahmequote", erklärt der Sprecher: "low takeup, mid takeup und high takeup". Was nach diesen Szenarien passieren würde, will er nicht sagen.

Eine hohe Annahmequote hätte zumindest bis 2012 keine praktischen Vorteile, weil ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag eine noch größere Mehrheit von 75 Prozent voraussetzt. Sie würde aber bedeuten, dass die Deutsche Bank mehr bezahlen muss. Statt insgesamt 5,8 Milliarden Euro für 90 Prozent der Postbank müsste sie 6,3 Milliarden für 100 Prozent aufbringen.

Eine niedrige Annahmequote dagegen würde bedeuten, dass die Deutsche Bank die 50-Prozent-Schwelle zunächst verfehlt. Sie könnte darauf reagieren, indem sie ihr Angebot erhöht - oder indem sie einfach abwartet. Früher oder später kommt die Mehrheit ja ohnehin, und nach dem erstmaligen Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle müsste die Bank nie wieder ein Pflichtangebot machen.

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