Dienstag, 25. Februar 2020

Dax-Geflüster Das Methusalem-Projekt

Zielgruppe 50 Plus: Die Wirtschaft muss sich in Deutschland auf eine immer älter werdende Kundschaft einstellen

Der demografische Wandel fordert die Wirtschaft heraus. Nicht genug, dass sich in Unternehmen die Mitarbeiterstrukturen ändern. Vor allem die Absatzmärkte wandeln sich, Produkte und Dienstleistungen müssen angepasst werden. Manch ein Dax-Konzern könnte davon profitieren.

Hamburg - Herzlichen Glückwunsch, falls Sie heute Geburtstag haben. Statistisch gesehen erreichen an diesem Freitag mehr als 200.000 Menschen in Deutschland ein neues Lebensjahr. Für viele ist das ja ein Grund zum Feiern.

Erfreulich ist auch, dass die Menschen hierzulande generell immer älter werden. In den vergangenen 140 Jahren hat sich die Lebenserwartung mehr als verdoppelt, bei den Männern von rund 36 Jahren auf etwa 76 Jahre, bei den Frauen von weniger als 40 Jahren auf über 80.

Das Problem ist jedoch: Seit 1972 werden in Deutschland weniger Menschen geboren als im gleichen Jahr sterben. Die jeweilige Kindergeneration ersetzt die Elterngeneration also schon lange nicht mehr - im Schnitt bekommt eine Frau in Deutschland zurzeit etwa 1,4 Kinder. Ohne Zuwanderung, so das Zentrum für Demografischen Wandel in Rostock, kann Deutschland seine Bevölkerungszahl nicht mehr halten, ebensowenig wie übrigens praktisch jedes andere Land in Europa.

Studie: Der Weltwirtschaft droht ein Schock

Dieser demografische Wandel hat für die Wirtschaft und die Konzerne im Dax Börsen-Chart zeigen weitreichende Folgen - auf der Arbeitnehmerseite ebenso wie auf den Absatzmärkten. Und in Zeiten der Globalisierung macht auch dieses Thema an den deutschen Grenzen nicht Halt.

"Der Weltwirtschaft droht ein demografischer Schock", heißt es in einer Studie des World Economic Forum (WEF) und der Boston Consulting Group (BCG). Schon in wenigen Jahren werde die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte in vielen Ländern sinken. Allein um ihr Wirtschaftswachstum halten zu können, so die Analyse, fehlen den Ländern Westeuropas 2030 rund 46 Millionen Arbeitskräfte. In den USA seien es rund 26 Millionen, lautet die Prognose.

Welche Entwicklung in Deutschland zu erwarten ist, stellte zudem jüngst die Bertelsmann Stiftung in einer Studie fest. Demnach wird die Zahl jüngerer Arbeitskräfte vor allem im Osten der Republik schon in den kommenden Jahren dramatisch sinken. Besonders in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, aber auch in Thüringen, Sachsen und Brandenburg werde die Altersgruppe der 19- bis 25-Jährigen bis 2025 um beinahe 50 Prozent schrumpfen, so die Stiftung.

"Humankapital wird wird in vielen Unternehmen schon bald das finanzielle Kapital als limitierender Faktor ersetzen", schreiben passend dazu die Autoren von WEF und BCG. Lediglich Brasilien, Südafrika, Indien und Ägypten werden demnach nach 2020 noch über mehr Arbeitskräfte verfügen, als der Arbeitsmarkt nachfragt.

Der Rat von WEF und BCG: Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Regierungen sowie Nicht-Regierungsorganisationen müssen mit einer geeigneten Bildungs- und Migrationspolitik auf die drohende Expertenlücke in vielen Volkswirtschaften - inklusive Deutschlands - reagieren.

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