Dienstag, 20. August 2019

Pleitewelle befürchtet Dubai-Fonds insolvent

Der Burj Dubai, einsam im Abendlicht: Viele Fondsanleger fühlen sich allein gelassen
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Der Burj Dubai, einsam im Abendlicht: Viele Fondsanleger fühlen sich allein gelassen

Erneut schlechte Nachrichten für Anleger von Dubai-Fonds: Branchenprimus ACI, der erst kürzlich Besuch von der Staatsanwaltschaft bekam, muss für einen Fonds Insolvenz anmelden. Beobachtern zufolge ist das nur die Spitze des Eisbergs.

Hamburg - Wieder schlechte Nachrichten für Anleger von Fonds des Gütersloher Initiators Alternative Capital Invest (ACI). Vor wenigen Wochen erst hatte die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen Betrugsverdachts mehrere Geschäfts- und Privaträume des Unternehmens und der Verantwortlichen dort durchsucht. Jetzt steht mindestens ein Fonds von ACI unmittelbar vor der Insolvenz.

In einem Schreiben an die Anleger des ACI-Fonds III, das manager magazin vorliegt, kündigt die Geschäftsführung des Fonds an, "bis Anfang der 36. KW 2010 innerhalb des gesetzlich gewährten Zeitraums den Insolvenzantrag zu stellen". Wie die Bilanz des Fonds zeige, so das Schreiben, sei "die Insolvenzantragsstellung evident und jetzt gesetzlich erforderlich".

Zum Hintergrund: Die ACI gilt hierzulande als größter Anbieter von Kapitalanlagen mit Investitionsziel Dubai. Mehr als 8000 Anleger haben bislang mehr als 200 Millionen Euro in Fonds des Unternehmens investiert. Projekte mit einem Volumen von mehr als 600 Millionen Euro sollten mit dem Geld realisiert werden. Allein in den Pleitefonds ACI III zahlten Anleger etwa 19 Millionen Euro Eigenkapital ein. Besonderes Markenzeichen von ACI ist dabei das sogenannte Tower-Branding, bei dem Prominente wie Michael Schumacher, Boris Becker und Niki Lauda den Projekten des Unternehmens ihren Namen leihen.

Seit die Finanzkrise den Boom in Dubai vorerst beendet hat, läuft aber auch bei ACI nicht mehr viel rund. 2009 platzte der Verkauf mehrerer Immobilien aus vier Fonds des Unternehmens, darunter auch der jetzt von der Insolvenz betroffene Fonds Nr. 3. Der Deal sollte den Anlegern Rückflüsse in Höhe von mehr als 120 Millionen Euro bringen.

Dazu kam es jedoch nicht. Beobachter erwarten nun, dass es bei der einen Pleite nicht bleiben wird. Die Siegburger Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte, die eigenen Angaben zufolge mehrere ACI-Anleger vertritt, geht davon aus, dass weitere Dubai-Fonds folgen werden. Und damit nicht genug: Weil die bislang ausgeschütteten Gelder vielfach nicht aus echten Gewinnen geleistet wurden, steht zu befürchten, dass ein Insolvenzverwalter sie von den Anlegern zurückfordern wird. Allein im Falle des ACI-Fonds III wurden dem Schreiben zufolge Vorabausschüttungen in Höhe von 13,5 Millionen Euro geleistet.

ACI ist nicht der erste Dubai-Initiator, der seinen Anlegern wenig Freude bereitet. Vor wenigen Jahren scheiterte Finanzwirt Georg R. aus Hamm bei dem Versuch, sich als Fondsinitiator zu positionieren. Aus seinem Hotelprojekt, für das er mindestens 20 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt hat, wurde bis heute nichts. Auch R. geriet schnell ins Visier der Staatsanwaltschaft.

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