Dax-Geflüster Das sehr kurze Goldene Zeitalter

In der kommenden Woche melden zwölf der 30 Dax-Konzerne ihre Zwischenbilanzen. Darunter sind die meisten Schwergewichte des deutschen Leitindex. Anleger können fast durchweg mit kräftig steigenden Gewinnen rechnen - aber auch mit einem bescheidenen Ausblick.
Glanz vergangener Epochen: Auch der aktuelle Erfolg der Dax-Konzerne ist vergänglich

Glanz vergangener Epochen: Auch der aktuelle Erfolg der Dax-Konzerne ist vergänglich

Party like it's 2. Quartal 2010. Gut möglich, dass das abgelaufene Vierteljahr im Rückblick als goldene Zeit für Deutschlands Konzerne gesehen wird. Rote Zahlen sind im Dax kaum noch zu sehen, mehrere Unternehmen dürften ihre Gewinne vervielfachen. "Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune", kommentiert das Münchener Ifo-Institut seinen neuesten Geschäftsklimaindex.

Zugleich mehren sich aber die Zeichen, dass dies nur ein kurzes Zwischenhoch sein könnte. Die Konjunkturprogramme laufen aus, die Staaten setzen zum Sparen an, die Unternehmen sitzen immer noch auf großen Überkapazitäten, die Warenlager sind wieder gefüllt, der Konsum bleibt schwach. Die Rede vom "Double Dip" und drohender Deflationsgefahr macht die Runde. Und auch die optimistischeren Prognosen deuten auf ein schwächeres Wachstum im zweiten Halbjahr und 2011 hin. Der mm-Konjunkturindikator zeigt einen "Rückfall ins Stotterwachstum" an.

Deutsche Konzerne gelten als robust, weil sie im internationalen Vergleich exportstark und gering verschuldet sind, und ihr deutscher Heimatmarkt sich besser entwickelt als der Rest Europas. Bisher haben mit Daimler  und Adidas  jedoch nur zwei Dax-Mitglieder vor dem angepeilten Veröffentlichungstermin vorläufige Quartalszahlen gemeldet - das könnte man als Zeichen deuten, dass es diesmal nur wenige schaffen, die gestiegenen Erwartungen der Anleger zu übertreffen. "Es ist nie leicht, von der Sucht nach dem positiven Nachrichtenfluss in der Frühphase des Aufschwungs herunterzukommen", heißt es in einer Studie der UBS .

Schreibt Daimler die Turnaround-Geschichte des Jahres?

Die kommende Woche wird für den Dax die spannendste. Zwölf der 30 wichtigsten Aktiengesellschaften berichten, wie das Frühjahr für sie gelaufen ist. Mit Siemens , BASF , Bayer , Daimler, SAP  und Deutscher Bank  sind sechs der zehn höchstgewichteten Titel dabei. Von den übrigen (Allianz , Eon , Deutsche Telekom , RWE ) werden sowieso keine großen Sprünge erwartet.

Daimler ist ein heißer Kandidat für die Turnaround-Geschichte des Jahres. Die Stuttgarter meldeten für die Zeit von April bis Juni einen Betriebsgewinn von 2,1 Milliarden Euro, wo im Vorjahreszeitraum noch ein Milliardenminus stand. Dennoch zählt die Aktie, die in zwölf Monaten 35 Prozent zulegte, nicht zu den Lieblingen der Analysten.

"Das sehr starke Momentum dürfte seinen Höhepunkt erreicht haben", erklärt Stuart Pearson von Morgan Stanley . "Die Ergebnisse zum zweiten Quartal dürften, was die Margenentwicklung angeht, zumindest bis zum zweiten Halbjahr 2012 den Höhepunkt markieren." Daimler stehe vor großen Investitionen und Risiken wegen des schwachen Kleinwagensortiments, schwindender Preisdynamik und der alternden S-Klasse.

Von BASF bis Deutsche Bank - die Aussichten der Dax-Schwergewichte

Besonders viele Kaufempfehlungen gibt es dagegen für die BASF-Aktie. Unicredit -Analyst Andreas Heine spricht von einem "starken Trend in fast allen Industriesegmenten". Im Durchschnitt erwarten die professionellen Auguren, dass der Chemiekonzern seinen Umsatz um ein Fünftel steigert und den Gewinn fast verdreifacht. Der Aktienkurs dagegen gab seit Jahresbeginn 16 Prozent nach.

Ähnlich, aber schwächer ausgeprägt ist die Euphorie gegenüber Bayer. Immerhin sollen die Leverkusener ein gutes Drittel mehr verdienen als im Frühjahr 2009. Bayer sei "langfristig in einer guten Position, um von den Megatrends in allen Divisionen zu profitieren", meint Richard Logan von Goldman Sachs. Die neu entwickelten Medikamente versprächen gutes Geschäft, ungeachtet der Gesundheitsreformen in vielen Ländern. Zudem sei Bayer in schnell wachsenden Schwellenländern wie China stark vertreten.

Dem Softwarekonzern SAP wird am Markt trotz der Übernahme des US-Mobilfunkspezialisten Sybase wenig Wachstum zugetraut. Dennoch überwiegen die Kaufempfehlungen für die Aktie. Heiko Weber vom Bankhaus Lampe sieht SAP als einen Gewinner der Euro-Schwäche im zweiten Quartal, weil die US-Umsätze in der Bilanz positiver erscheinen.

Hoffnungsträger Siemens

Die Hoffnungen auf den wichtigsten Dax-Wert Siemens sind nach den guten Zahlen der Wettbewerber General Electric  und Philips  groß. Die Analysten der Société Générale  sehen die Aktie der Deutschen als "das bevorzugte Investment im Kapitalgütersektor". Siemens verdiene gut im Gesundheits- und im Energiegeschäft, derzeit besonders mit Offshore-Windturbinen.

Eine Sonderrolle nimmt die Deutsche Bank ein. Laut den Markterwartungen war der Gewinn zwar im Jahresvergleich stabil, brach aber gegenüber dem 1. Quartal um rund 40 Prozent ein. Bei allen US-Wettbewerbern und der Credit Suisse  , die ihre Zahlen bereits gemeldet haben, brach das Investmentbanking ein. Und das sorgte im Winter noch für 96 Prozent des Gewinns der Deutschen Bank. Selbst daran gemessen, erscheint die Aktie zwar noch als günstig bewertet.

Doch nicht ohne Grund ist die Deutsche Bank der am stärksten schwankende Titel im Dax. Kein anderes Unternehmen ist solcher Unsicherheit ausgesetzt. Kian Abouhossein von J.P. Morgan Cazenove sieht die Bank in einer "schwachen Kapitalposition". Er schätzt den Kapitalbedarf auf 14 Milliarden Euro. "Sollte es zu verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel III) kommen, wäre die Deutsche Bank mit am stärksten betroffen." Die Bank erlebte ihr Goldenes Zeitalter wohl schon etwas früher als die anderen Dax-Konzerne, im 1. Quartal 2010.

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