Dax-Geflüster Buy Germany, bloß wie?

In den USA beginnt die Berichtssaison mit Rekordgewinnen, für die kommenden Quartalszahlen deutscher Konzerne sind die Analysten noch optimistischer. Nur sind sie sich uneins, auf welche Aktien Anleger setzen sollten.
Frankfurter Börse: Der Fluch der hohen Erwartungen

Frankfurter Börse: Der Fluch der hohen Erwartungen

Foto: Marius Becker/ dpa

Ein Deutscher hat den Anfang gemacht. Klaus Kleinfeld konnte sich zu Beginn dieser Woche in glänzenden Geschäftszahlen sonnen. "Man sieht einen robusten Anstieg der Nachfrage", erklärte der Chef des Aluminiumkonzerns Alcoa , der traditionell als erstes der US-Schwergewichte seine Quartalsergebnisse meldet. Der Chiphersteller Intel  folgte mit einem Rekordgewinn, auch die Großbank JPMorgan Chase  verdiente erneut Milliarden.

Von April bis Juni, so scheint es, steigerten die Unternehmen im Schatten der Schuldenkrise branchenübergreifend Umsatz und Gewinn - und zwar deutlicher, als Anleger und Analysten zuvor erwartet hatten. Werden die Dax-Konzerne mit ihren anstehenden Zwischenbilanzen ähnlich gut abschneiden wie die Amerikaner?

Womöglich sogar besser. "Buy Germany" empfiehlt die Schweizer Großbank UBS ihren Kunden seit Februar - und erneuert ihren Ruf nun, obwohl die deutschen Aktien seit April schon 5 Prozent besser liefen als der europäische Durchschnitt. Im Vergleich zu US-Papieren seien die meisten immer noch günstig.

"Deutschland ist ein potenzieller Outperformer, weil die Exporte unter Volldampf stehen und außerdem die Restrukturierung noch viel hergibt", erklärt UBS-Deutschlandvolkswirt Martin Lück. "Wir glauben, dass die Ergebnisse sehr gut werden und in den meisten Fällen den Konsensus schlagen."

Allerdings, schränkt Lück ein, "erwarten viele Investoren, dass die Berichtssaison bombastisch gut wird, und könnten daher enttäuscht werden". Die offiziellen Analystenschätzungen seien trotz hoher Gewinnsprünge nah an den vorsichtigen Prognosen der Konzerne. Wer nicht positiv überrascht, überrascht negativ, heißt die Logik. Die Anleger sind schon an Erfolgsstories wie die von Daimler gewöhnt, wo ein in diesem Jahr ein Zwei-Milliarden-Gewinn auf einen ebenso hohen Verlust folgen soll.

Robuste Dividendentitel oder solider Aufschwung

Deshalb empfiehlt die UBS, auf Branchen zu setzen, die noch keine Kursrally wie im Fall der Autoaktien hinter sich haben. Auf ihrem Kaufzettel stehen der Chemiekonzern Linde , der Baustoffhersteller HeidelbergCement , die Versorger Eon  und RWE , die Deutsche Post , außerdem große Dividendenzahler wie die Versicherer Allianz  und Munich Re .

"Robuste Dividendentitel kann man als solide Alternative zu Bonds empfehlen", sagt Lück. Private Anleger sollten mit Blick auf die kommenden Quartale defensiver werden, ihre Aktienquote eher zurückfahren. "Im Herbst dürften wieder Themen wie Double Dip oder Deflation diskutiert werden", warnt der Ökonom. Schon jetzt zeigten die Frühindikatoren eine klare Tendenz zu schwächerem Wachstum. Zwar prognostiziert die UBS auch für 2011 wachsende Gewinne, aber einen schwächeren Aufschwung als in den vergangenen Zyklen.

Ganz anders liest Uwe Lang, Partner der Vermögensverwaltung Swissinvest, die Frühindikatoren. Das Geschäftsklima des Ifo-Instituts entwickle sich viel besser als das des ZEW, bemerkt Lang. Ifo befragt Unternehmen, während das ZEW sich am Finanzmarkt umhört. "Die Insider wissen doch etwas mehr als diejenigen, die die Anlegerseite vertreten", meint Lang.

Der als "Börsenpfarrer" bekannte Autor eines Börsenbriefs setzt auf einen deutlichen Aufschwung, "weil genügend Geld in die Wirtschaft gepumpt wurde". Dementsprechend empfiehlt er auch eine aggressive Anlagestrategie. "Die zyklischen Werte werden vermutlich die besten Aussichten haben", erklärt Lang. Er nennt Branchen wie Maschinenbau, Autoindustrie inklusive Zulieferer, Elektronik oder Software. Die Finanzindustrie dagegen bliebe wegen der herrschenden Unsicherheit zurück, " den Energiewerten fehlt die Fantasie für Gewinnsprünge".

Buy Germany also, doch für den Kauf riskanter, konjunkturabhängiger Aktien finden sich ebenso überzeugte Fürsprecher wie für das Prinzip Sicherheit. Ab Ende des Monats wissen wir mehr.

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