Donnerstag, 2. April 2020

Sammelklage gegen AWD "So sicher wie auf dem Sparbuch"

Probleme in Österreich: Die Swiss-Life-Tochter AWD muss sich nun einer Sammelklage erwehren

Tausende Menschen haben in Österreich ihr Erspartes mit vermeintlich sicheren Aktien verloren. Jetzt dürfen sie gemeinsam gegen den Verkäufer AWD klagen. Der bestreitet den Vorwurf der Falschberatung und Täuschung vehement

Wien - Das Handelsgericht Wien erlaubte jetzt erneut eine Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegen den Finanzdienstleister. Der VKI wirft der Swiss-Life-Tochter AWD mit Sitz in Hannover vor, die Sparer falsch beraten und über das Risiko getäuscht zu haben.

Insgesamt geht es um 2500 Betroffene, denen von Ende der 90er Jahre bis 2007 AWD-Berater "immofinanz"- und "immoeast"-Aktien verkauften. Der Vorwurf: Der Finanzdienstleister, der inzwischen zum Schweizer Versicherer Swiss Life gehört, habe sich bewusst an Menschen mit geringem Einkommen ohne Investitionserfahrung gewandt. Die Berater hätten versprochen, dass Geld sei "so sicher wie auf dem Sparbuch" angelegt. Als die Aktien in der Finanzkrise den Großteil ihres Wertes einbüßten, verloren die Kleinanleger ihr Erspartes.

Aus logistischen Gründen habe man die Geschädigten in fünf Gruppen von Sammelklägern aufgeteilt, sagte VKI-Sprecher Peter Kolba am Donnerstag. Der Streitwert liegt bei 40 Millionen Euro. Mit der Entscheidung vom Mittwoch habe das Gericht die größte Sammelklage mit rund 1300 Menschen für zulässig erklärt.

AWD bestreitet den Vorwurf der Falschberatung

Der AWD bestreitet die Vorwürfe und betont, seiner Aufklärungs- und Beratungspflicht nachgekommen zu sein. Da keine "systematische Fehlberatung" vorliege, seien auch keine Sammelklagen begründet. Der Finanzdienstleister will lieber jeden Fall einzeln prüfen.

Nach Ansicht des VKI und des Prozessfinanzierers Foris AG will das Unternehmen das Verfahren nur verteuern, damit viele Geschädigte aussteigen. Man sei nach wir vor bereit, sich auf einen Vergleich einzulassen, sagte Kolba. Kommt eine außergerichtliche Einigung nicht zustande, rechnet der VKI mit dem Start der Verhandlungen ab Herbst. Dass der AWD die besagten Aktien auch an Deutsche verkauft habe, sei ihm nicht bekannt, sagte Kolba.

rei/dpa

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