Steuern Die Teuerkiste

Findige Berater aus Gelsenkirchen haben einen innovativen Weg gefunden, wie Steuermuffel schnell und unkompliziert zu ihrer Steuererklärung kommen können. Aber Vorsicht: Wer nicht aufpasst, zahlt am Ende drauf.
Leidiges Thema: Viele würden ihre Steuererklärung gerne von jemand anderem erledigen lassen

Leidiges Thema: Viele würden ihre Steuererklärung gerne von jemand anderem erledigen lassen

Foto: Arno Burgi/ picture-alliance/ dpa

Wer wünscht sich das nicht: Eine Kiste, in die man das Jahr über alle Belege einfach hinein schmeisst. Dann ab in die Post damit und die Steuererklärung erledigt jemand anderes.

Eine Steuerberaterkanzlei aus Gelsenkirchen macht genau das jetzt möglich. Bei ihr können Menschen aus ganz Deutschland die so genannte Steuerkiste ordern. Geliefert wird dann tatsächlich ein simpler Pappkarton sowie eine Vollmacht und eine Checkliste, auf der viele denkbare Unterlagen, die für die Steuererklärung von Belang sein können, aufgeführt sind.

Ein einfaches und nach Einschätzung von Marc Pokropowitz bundesweit wohl einmaliges Modell. "Unsere Mandanten haben die Steuerkiste schon nach drei bis vier Werktagen bei sich Zuhause", sagt der Steuerberater von der Müller Steuerberatungsgesellschaft, die hinter dem Angebot steht. "Dann brauchen sie nur noch die Vollmacht zu unterschreiben, den Kurzerfassungsbogen auszufüllen und ihre Belege in die Kiste packen." Nicht einmal zur Post muss der Karton gebracht werden, so Pokropowitz. Ein Paketdienst kommt an die Haustür und holt ihn ab.

Einmal in Gelsenkirchen eingetroffen, gehen die Experten dort die Unterlagen durch und stimmen sich gegebenenfalls noch einmal mit dem Mandanten telefonisch ab. "Auch ein telefonisches Abschlussgespräch ist möglich", so Pokropowitz.

Steuerberatung muss auch in die Zukunft blicken

Ganz kostenlos ist der Service allerdings nicht. Schließlich ist auch die Kanzlei Müller an die Gebührenordnung aller Steuerberater gebunden. "Wir bieten unsere Dienste im unteren Bereich der vorgegebenen Preisspanne an", sagt jedoch Pokropowitz. "In der Branche wird vielfach routinemäßig eine Gebühr im mittleren Bereich gefordert. Und die kann deutlich höher sein, als das, was wir bekommen."

Schwappt die Billigheimerwelle nun also auch über die Steuerberaterzunft, einen der letzten Horte von Seriosität und Verlässlichkeit hierzulande? "Wir machen keinen Discount", sagt Pokropowitz. "Wir machen ein faires Angebot und halten das für eine preiswerte Alternative zum herkömmlichen Gang zum Steuerberater."

In Fachkreisen wird die Offerte dennoch kritisch beäugt. Die entscheidende Schwäche besteht nach Ansicht von Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband im mangelnden persönlichen Kontakt zwischen dem Berater und dem Mandanten. "Zwar mag es im Einzelfall Rückfragen seitens des Beraters geben", sagt er. "Der Sinn der Steuerberatung, ganzheitlich zu beraten und nicht nur die vorliegenden Zahlen einzuordnen, kann aber auf der Strecke bleiben."

Ein weiterer Punkt: Laut Deutsch besteht Steuerberatung nicht nur darin, vergangene Jahre aufzuarbeiten, sondern darüber hinaus in der Planung des laufenden Jahres und mehr. So etwas finde in diesem Fall aber offenkundig nicht statt.

Mangelnde Kommunikation kann bares Geld kosten

Ähnlich sieht es Nora Schmidt-Keßeler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer. "Das Angebot erscheint nicht seriös", sagt sie. "Auch nicht für die angesprochene Zielgruppe der einfachen Lohnsteuerfälle."

Der Grund: Im Steuerrecht sei es, ähnlich wie in der Medizin, fast unmöglich per Ferndiagnose eine adäquate Lösung zu finden. "Dafür ist unser Steuerrecht einfach zu komplex und enthält zu viele Einzelfallregelungen und -ausnahmen", sagt die Expertin. Zu einer korrekten Diagnose gehört laut Schmidt-Keßeler vielmehr unabdingbar die genaue Kenntnis des Einzelfalles, etwa der persönlichen Lebensumstände. "Es reicht nicht aus, den Sachverhalt allein anhand der Belege zu beurteilen", sagt sie.

Das Problem: Unterm Strich kann eine mangelnde Kommunikation mit seinem Berater den Steuerpflichtigen bares Geld kosten. "Es besteht die Gefahr, dass - wegen fehlender Nachfrage - etwaige Aufwendungen wie Werbungskosten oder Sonderausgaben versehentlich nicht in die Steuererklärung gelangen", sagt Steuerberater und Rechtsanwalt Deutsch vom Verband. "So könnte aus billig schnell teuer werden."

Schließlich: Wer tatsächlich eine Steuererklärung nach "Schema F" erstellen will, kann auf die Dienste eines Steuerberaters heute auch vollständig verzichten. "Es gibt bereits gute Computersoftware, mit der die Steuererklärung daheim erstellt werden kann", sagt Anita Käding vom Steuerzahlerbund. "Die Checklisten, die dabei abgearbeitet werden, ähneln jener, die bei der Steuerkiste zum Einsatz kommt."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.