HypoVereinsbank "Wer Kunden vernachlässigt, kann sich verabschieden"

Konzernchef Albrecht Schmidt definiert die Ziele neu. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus will den Fusionspartnern Dresdner und Deutsche Bank Privatkunden abjagen und die Zusammenarbeit mit dem Versicherer Münchener Rück stärken.

München - Schmidt sagte bei der Vorlage der Bilanz 1999, er sehe im Massengeschäft mit Privatkunden, dem so genannten Retailbanking, "den Königsweg des Bankgeschäfts". Erste Priorität habe nun eine Marktoffensive zur Gewinnung weiterer Kunden. "Wer heute den Kunden vernachlässigt, kann sich morgen aus dem Markt verabschieden", spielte Schmidt auf die Fusion der Frankfurter Geldhäuser an. Die müssten "erst einmal in die Werkstatt".

"Das Rennen hat begonnen", sagte Schmidt mit Blick auf die veränderte Bankenlandschaft in Deutschland. Die Bank 24, in die neue Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft auslagern will, habe noch einen "sehr aufwendigen Integrationsprozess" vor sich. "Was andere vor sich haben, das haben wir hinter uns." Im neu eröffneten Rennen zwischen den Banken könne dieser Vorsprung des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts "gar nicht hoch genug eingeschätzt werden".

Im E-Business, wo sich der künftige Erfolg der Banken im Wettbewerb entscheiden werde, sei die Münchner Bank hervorragend aufgestellt. Schon heute habe jeder Zehnte der fünf Millionen Kunden ein Online-Konto. In den Internetbereich wolle die Bank im laufenden Jahr rund 250 Millionen Euro investieren. Rund 50 Millionen Euro sollen in die Online-Tochter Direkt Anlage Bank investiert werden.

Der Strategie der "Bank der Regionen" folgend, geht die Bank auch im Ausland auf Einkaufstour. Man führe "mit einer ganzen Reihe" von Partnern in Europa Gespräche, sagte Schmidt, ohne Namen nennen zu wollen. Dabei hält sich die Bank auch die Möglichkeit offen, in Aktien zu bezahlen: Die Hauptversammlung soll ein genehmigtes Kapital von 550 Millionen Euro für eine Sachkapitalerhöhung schaffen.

Nachdem die Altlasten aus Immobilienrisiken der früheren Hypobank das Ergebnis vor Steuern im vergangenen Jahr auf 750 Millionen Euro (1,4 Milliarden Mark) halbiert hatte, rechnet die HypoVereinsbank für 2000 mit mindestens 2,25 Milliarden Euro Gewinn. Jetzt würden "die Früchte der Fusion geerntet", frohlockte Schmidt. Finanzchef Wolfgang Sprißler erklärte, die Risikovorsorge für die Hypo-Immobilien habe das Ergebnis vor Steuern einmalig um 1,7 Milliarden Mark belastet. Damit sei dieses Kapitel aber abgeschlossen.