Volkswagen Piëch will radikal Kosten senken

Gewinnrückgang, Absatzprobleme in Deutschland und der Börsenkurs im Keller: Der Autohersteller hat kein gutes Jahr hinter sich. Konzernchef Ferdinand Piëch verordnet dem Unternehmen deshalb einen radikalen Sparkurs und kündigte überrraschend den Eigenbau eines VW-Lastwagens an.

Wolfsburg - Die Antwort aus Wolfsburg ist eine in diesem Ausmaß noch nicht gekanntes Kostensenkungs-Programm, verbunden mit einer ehrgeizigen Rekordprognose. Bei der Vorstellung der Bilanz am Donnerstag in Wolfsburg sagte Finanzchef Bruno Adelt, der Gewinn vor Steuern werde im laufenden Geschäftsjahr mindestens um zehn Prozent wachsen, wahrscheinlich sogar um 20 Prozent.

Er kündigte Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Mark an. Wo genau dieses Geld herkommen soll, sagte er aber nicht. Adelt erklärte nur, dass sowohl bei den variablen als auch bei den fixen Kosten gespart werden solle. Beim Personal erwartet VW einen leichten Anstieg.

VW gibt sich vom Übernahmefieber der weltweiten Automobilbranche unbeeindruckt. Mit demonstrativer Gelassenheit erklärte Piëch, man müsse den überaus rentablen und deshalb im Grunde heiß begehrten Lkw- und Bushersteller Scania nicht unbedingt kaufen. Die Übernahme weiterer Pkw-Marken sei derzeit gar nicht angedacht, nicht in Asien "und auch nicht in Bayern", so der Unternehmenschef in Anspielung auf BMW und DaimlerChrysler.

Selbst das Genörgel bei Händlern und Belegschaft, sich nicht so sehr auf die Luxusmarken zu konzentrieren, wird von Piëch mit dem überraschenden Hinweis beschwichtigt, VW wolle die einst mit riesigem öffentlichen Rummel eroberte britische Nobelmarke Rolls-Royce in keinem Fall auf Dauer führen, sondern wie geplant 2003 wieder abgeben.

Piëch ist da pragmatisch: Gerade in Deutschland würde kaum jemand trotz entsprechenden Geldbeutels mit einem Rolls-Royce protzen, sondern eher mit einem gediegenen Bentley durch die Lande rauschen. Mit dieser Marke allerdings will VW richtig Geld verdienen.

Überrascht hat Piëch auch mit der Ankündigung, schon in drei Jahren einen mittelschweren Lastwagen Marke VW-Eigenbau auf den Markt zu bringen. Diese Neuentwicklung, an der seit etwa zwei Jahren gearbeitet wird, hat offenbar nichts mit der für europäische Verhältnisse nicht ausreichenden Lkw-Produktion von VW in Brasilien zu tun. Für Europa - und möglicherweise auch für Nordamerika - plant VW einen Lkw in der Größe zwischen 17 und 19 Tonnen, keinen Schwerlaster für den Fernverkehr, sondern ein Fahrzeug für den regionalen Gütertransport. In dieser Größenklasse hätte auch Scania bislang noch kein Fahrzeug zu bieten.

Kein einziges Wort fiel auf der Bilanzpressekonferenz zu dem Thema, das inzwischen konzernintern heiß diskutiert wird: Wer wird Ende 2002 Nachfolger des dann 65-jährigen Unternehmenslenkers. Mögliche Kandidaten halten sich bedeckt. Denn in Wolfsburg gilt wie überall: Wer sich zu früh vorwagt, ist bereits aus dem Rennen.