Sonntag, 18. August 2019

Grauer Markt Razzia bei größtem Dubai-Initiator

Hoch hinaus: Die Zeiten des Immobilienbooms in Dubai sind vorläufig vorbei - und damit wohl auch die Illusionen vieler Anleger hierzulande

Mehr als 200 Millionen Euro hat ACI aus Gütersloh bei Tausenden Anlegern eingesammelt, um damit traumhafte Immobilienprojekte in Dubai zu finanzieren. Jetzt bekam das Unternehmen Besuch von der Staatsanwaltschaft. 

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat am Dienstag dieser Woche mehrere Geschäftsräume des Emissionshauses Alternative Capital Invest (ACI) in Gütersloh durchsucht. Nach Informationen von manager magazin inspizierten die Beamten zudem Privaträume von ACI-Verantwortlichen.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft geht sie dem Verdacht auf Kapitalanlagebetrug nach. Es werde geprüft, ob "im Zusammenhang mit dem Vertrieb von Beteiligungen an geschlossenen Immobilienfonds unrichtige Angaben gemacht worden sind, und ob diese gegebenenfalls für die Entscheidung der Anleger, sich an den Fonds zu beteiligen, erheblich waren", heißt es in einer Mitteilung.

Die bei der Razzia gewonnenen Erkenntnisse hätten den Verdacht bisher nicht erhärten können, so die Staatsanwaltschaft weiter. Eine genaue Auswertung der vorgefundenen Unterlagen bleibe abzuwarten.

Die Ermittlungen gehen zurück auf eine Anzeige eines ehemaligen Vertriebspartners von ACI (Name der Redaktion bekannt), der nach Informationen von manager magazin selbst im hohen fünfstelligen Bereich an den Fonds des Unternehmens beteiligt ist und auch zeitweise Beirat in den Fonds war. "Wir halten einige Fondsprospekte für fehlerhaft", fasst dessen Anwalt Hartmut Göddecke die Vorwürfe zusammen. "Zudem sind bei zwei Beteiligungsgesellschaften die Eigentumsverhältnisse der Grundstücke unklar und wir haben Zweifel an der Seriosität von Fondskalkulationen." Bei ACI war für eine Stellungnahme zunächst niemand zu erreichen.

Die ACI gilt hierzulande als größter Anbieter von Kapitalanlagen mit Investitionsziel Dubai. Mehr als 8000 Anleger haben bislang mehr als 200 Millionen Euro in Fonds des Unternehmens investiert. Projekte mit einem Volumen von mehr als 600 Millionen Euro sollten mit dem Geld realisiert werden. Besonderes Markenzeichen von ACI ist dabei das sogenannte Tower-Branding, bei dem Prominente wie Michael Schumacher, Boris Becker und Niki Lauda den Projekten des Unternehmens ihren Namen leihen.

Seit die Finanzkrise den Boom in Dubai vorerst beendet hat, läuft aber auch bei ACI nicht mehr viel rund. 2009 platzte der Verkauf mehrerer Immobilien aus vier Fonds des Unternehmens, der den Anlegern Rückflüsse in Höhe von mehr als 120 Millionen Euro bringen sollte. Mit den Folgen dieses Flopps schlagen sich die Investoren nach Angaben von Anwalt Göddecke noch heute herum.

Die Verkäufe seien von ACI trotz allem verbucht und den Investoren eine Gewinnzuweisung zugeteilt worden, so Göddecke. "Der Fiskus hat auf die Scheingewinne prompt Steuern kassiert", sagt er. "Die steuerliche Mehrbelastung kann sich in Einzelfällen auf fünfstellige Beträge summieren." Auch dazu war von ACI keine Stellungnahme zu bekommen.

ACI ist nicht der erste Dubai-Initiator, der seinen Anlegern wenig Freude bereitet. Vor wenigen Jahren scheiterte der umtriebige Finanzwirt Georg R. aus Hamm bei dem Versuch, sich als Fondsinitiator zu positionieren. Aus seinem Hotelprojekt, für das er mindestens 20 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt hat, wurde bis heute nichts. Auch R. geriet schnell ins Visier der Staatsanwaltschaft.

 

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