BMW Milberg und London verhandeln neu über Rover

Der Rover-Verkauf an Alchemy stößt auf heftigen Widerstand Londons. Am Donnerstag will Industrieminister Byers die Konzern-Spitze davon überzeugen, einen anderen Abnehmer als Alchemy zu suchen. Ebenfalls kaufen will der britische Softwaremillionär Hemming.

München - Die Londoner Regierung hat nach Aussage von John Hemming Interesse an seinem Kaufangebot für den Atomobilhersteller Rover gezeigt. Der Softwaremillionär sagte: "Wir haben mit der Regierung gesprochen und sie ist daran interessiert, dass eine Alternative zu dem Angebot von Alchemy Partners vorliegt." Das britische Ministerium für Handel und Industrie wollte die Aussage Hemmings nicht kommentieren.

Hemming sagte weiter, dass sich seine Pläne für ein Kaufangebot noch in einem sehr frühen Stadium befänden und er noch dabei sei, ein Konsortium für die Übernahme zu bilden. Er nannte jedoch keine Namen und keinen Betrag, den er für die Investition bereitzustellen beabsichtige. "Es gibt aber Fortschritte und es sieht alles sehr postiv aus", sagte Hemming.

Geht der Autobauer wie vorläufig vereinbart an den Risikofonds Alchemy droht Gewerkschaftern zufolge der Verlust von 9500 Stellen, den die britische Regierung gern verhindern möchte. Byers will BMW zudem dazu bewegen, sich an Investitionen in Mittelengland zu beteiligen.

Die Münchener hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, ihrer verlustbringenden Tochter Rover Cars an Alchemy zuverkaufen. Die Wagniskapitalgesellschaft erklärte, bei einer Übernahme die Produktion bei Rover deutlich zu kürzen. Die britische Regierung, die BMW im Zusammenhang mit der Rover-Trennung Täuschung vorgeworfen hat, wünscht sich indes einen Käufer, der über Kompetenz im Automobilbau verfügt.

Alchemy hatte unterdessen zwei der drei Manager ernannt, die Rover nach einer Übernahme führen sollen. Das Amt des Chairman soll dabei Brandon Gough übernehmen, der den Angaben zufolge bislang Manager einer Druckerei für Banknoten war. Finanzchef soll Graham Hallworth werden, der in einer Schlüsselposition bei einem Dekorationsmittel-Einzelhändler arbeitete. Den mutmaßlichen neuen Chef für das Unternehmen will Alchemy am Donnerstag bekannt geben. Dabei soll es sich um jemanden mit sehr großer Erfahrung im Fahrzeugbau handeln, erklärte Alchemy.

Am Mittwoch hatten sich britische Gewerkschafter mit BMW-Chef Joachim Milberg getroffen. Nach einem fast fünf Stunden dauernden Gespräch mit Milberg und anderen BMW-Managern sagte Gewerkschaftschef Tony Woodley, zwar habe es in der Sache keine Änderung geben, doch habe sich die Atmosphäre zwischen den Gesprächspartnern verbessert. Auch Milberg sprach von einer "konstruktiven Atmosphäre". Woodley sagte, er glaube, dass BMW positiv reagiere, wenn eine gute Alternative zum Rover-Cars-Verkauf an Alchemy präsentiert würde.