Dax-Geflüster Mit Euro und Dollar in der Achterbahn

Pünktlich zum G20-Treffen in Toronto lockert China die Bindung der eigenen Währung an den Dollar. Jetzt müssen Anleger auf die starken Schwankungen der Wechselkurse von Euro, Dollar, Pfund und Yen reagieren.
Euro runter, Euro rauf: Anleger fragen sich, wie sie mit Wechselkursschwankungen umgehen sollen

Euro runter, Euro rauf: Anleger fragen sich, wie sie mit Wechselkursschwankungen umgehen sollen

Foto: DDP

Wie stark sich Wechselkursänderungen auf die Kapitalanlagemärkte auswirken können, ist seit einigen Tagen an der Börse zu beobachten. Allein die Ankündigung Chinas, im Dauerstreit mit den USA ein Stück nachzugeben und die seit zwei Jahren gültige Bindung des Renminbi an den Dollar  zu lösen, sorgte am Aktienmarkt zu Wochenbeginn für Kursgewinne. In der Erwartung einer Aufwertung des Renminbi stiegen im Dax  die Papiere der Autobauer Volkswagen , BMW  und Daimler , die über ein starkes China-Geschäft verfügen. Und auch in den USA legten exportorientierte Titel wie Caterpillar  und General Electric  kräftig zu.

Inzwischen ist diese Euphorie zwar wieder verflogen. Die geringfügige Aufwertung des Renminbi am Dienstag enttäuschte bereits viele. Zudem stoppte China den Flug der Währung mit Dollar-Käufen. Ein Großteil der Kursgewinne, die den Renminbi auf ein Fünf-Jahres-Hoch getrieben hatten, wurde so wieder zunichtegemacht. Die Reform werde "schrittweise und kontrolliert" erfolgen, kündigte ein Sprecher des Außenministeriums an. Und die chinesische Notenbank warnte, es gebe "keine Basis für eine Aufwertung in großem Umfang".

Trotz dieser Dämpfer dürfte die Botschaft jedoch bei Anlegern angekommen sein: Die Wechselkurse zwischen den großen Währungen müssen beachtet werden. Denn sie haben großen Einfluss auf die Anlageergebnisse. Und sie befinden sich in Zeiten weltweiter Wirtschaftsturbulenzen und irritierender Staatsschuldenkrisen immer stärker in Bewegung.

Länder im Abwertungswettlauf

Diese Erkenntnis allein ist aber noch nicht viel wert. Die Frage ist vielmehr: Was tun, wenn der Euro  Achterbahn fährt? Wie das Portfolio ausrichten, wenn mit Dollar, Pfund und Yen auch die anderen wichtigen westlichen Währungen heftigen Turbulenzen ausgesetzt sind?

"Für Anleger ist die Situation im Moment enorm schwierig", sagt Eberhard Weinberger, Vorstand beim Vermögensverwalter DJE Kapital AG. "Nahezu alle großen Währungen der Industrieländer scheinen sich in einem langfristigen Abwärtstrend zu befinden." Angesichts der wirtschaftlichen Probleme in den Ländern sowie der Schuldenlasten auf den öffentlichen Haushalten sieht es für Weinberger fast nach einem Abwertungswettlauf der Nationen aus. "Die Länder könnten so versuchen, die Exportchancen ihrer heimischen Wirtschaft zu verbessern", sagt er.

Die Kehrseite der Medaille: Während die westliche Welt um ihren wackligen Aufschwung nach der Krise bangt, melden China und andere Schwellenländer in Fernost bereits wieder robuste Wachstumszahlen. Die Erfolge Chinas in der jüngeren Vergangenheit basierten dabei zu einem Großteil auf der festen Bindung der Landeswährung an den US-Dollar, die jetzt aufgelöst werden soll. Dadurch verharrte der Renminbi auf einem günstigen Niveau, das Experten zufolge kaum seinem wahren Wert entspricht - das der chinesischen Exportwirtschaft aber das Geschäft erleichtert.

Drei Gründe, die für China sprechen

"Der Aufwertungsdruck auf die chinesische Währung ist groß", sagt Weinberger. "Deshalb und weil das wirtschaftliche Umfeld in Fernost ohnehin besser ist, sollten Anleger einen Teil ihres Portfolios auf asiatische Länder verlagern."

Der Experte rät zu strategischen Entscheidungen. Investoren sollten seiner Ansicht nach keinesfalls versuchen, die aktuellen Turbulenzen durch schnelles Verlagern des eigenen Portfolios von einem Währungsraum in den anderen in rasche Gewinne umzumünzen. "So etwas ist Sache von Profis und institutionellen Anlegern", sagt Weinberger.

Mit der Einschätzung steht er nicht allein da. Die Marktstrategen der weltweit agierenden Fondsgesellschaft Barings etwa schreiben in einem aktuellen Kommentar, die Entscheidung der Chinesen, die Bindung des Renminbi an den Dollar zu lösen, bestätige die positive Einstellung zu den Aktienmärkten in Hongkong und China.

Anleger, so Barings, können davon aus drei Gründen profitieren. Erstens verringere sich durch das Entgegenkommen die Gefahr von Handelssanktionen seitens der USA gegenüber China, die sich negativ auf dortige Unternehmen und die Risikoprämien an den Aktienmärkten auswirken könnten. Es sei kein Zufall, dass der Schritt unmittelbar vor dem G20-Treffen am Wochenende in Toronto erfolgt sei, so Barings. US-Präsident Barack Obama habe ihn bereits begrüßt.

Immer auf die Diversifikation achten

Zweitens dürfte die Änderung den Inflationsdruck in China dämpfen, der durch zu teuer eingeführte Waren entsteht. Dies wiederum senke die Wahrscheinlichkeit von Zinsanhebungen seitens der chinesischen Notenbank. Und drittens verbessere ein stärkerer Renminbi die internationale Kaufkraft der Chinesen, was den dortigen Konsum stütze.

Die Argumente lassen den fernöstlichen Währungs- und Wirtschaftsraum als Anlageregion zwar attraktiv erscheinen. Kaum ein Experte würde aber dazu raten, das komplette Portfolio in dieser Richtung zu positionieren. Zumal die Investition in Fremdwährungen immer auch ein zusätzliches Anlagerisiko mit sich bringt.

"Viele meinen, dass sie sich durch Fremdwährungen in irgendeinen sicheren Hafen begeben", sagt Vermögensverwalter Hannes Peterreins aus München. "Fakt ist aber, dass sie das Gegenteil tun." Jeder sollte wissen, so Peterreins, dass man, wenn man als Euro-Anleger eine Fremdwährungsposition aufmacht, sehr hohe spekulative Risiken eingeht.

Quoten führen zu antizyklischem Investieren

Ganz auf ausländische Währungen zu verzichten, hält aber auch Peterreins für wenig ratsam. "Man kann Fremdwährungen als Mittel sehen, sein Vermögen zu diversifizieren", sagt er. "Das kann geschehen durch Aktien oder Anleihen, die in fremden Währungen notiert sind. Also beispielsweise US-Aktien oder US-Staatsanleihen."

Der Vermögensverwalter rät in dem Fall dazu, Soll-Quoten festzulegen. "Bei der Frage nach der Höhe der Quoten spielen persönliche Vorlieben und die Risikoneigung des Anlegers eine große Rolle", sagt er. "Generell sollte ein Euro-Anleger wohl nicht mehr als 25 Prozent seines Vermögens in US-Dollar anlegen und nicht mehr als 8 Prozent in Schweizer Franken."

Der Vorteil: Dieses Vorgehen führt praktisch automatisch zu einem antizyklischen Investieren, das ja von vielen Experten befürwortet wird. "Die Ist-Quoten müssen wegen der Wechselkursschwankungen ständig an die Soll-Quoten angepasst werden", so Peterreins. "In der letzten Zeit hätte diese Methode also eher dazu geführt, Euro-Werte nachzukaufen, und Fremdwährungsposition tendenziell abzubauen."

Nicht zu viel China

Auch China würde Peterreins ins Portfolio aufnehmen, allerdings lediglich zu einem Anteil von maximal 10 Prozent. Seine Vorbehalte: "China ist nach wie vor ein Emerging Market mit hohen Risiken", sagt er. "Ich glaube, dass viele derzeit den Fehler begehen, China zu sehr überzugewichten."

Damit spricht Peterreins ein typisches Problem an. Immer wenn sich Anleger mit einem Investment oder einer Region sehr sicher sind, neigen sie zu Übertreibungen. Gut zu beobachten war dies vor zehn Jahren beim Neuen Markt, dem damaligen Börsensegment für junge, vermeintlich aufstrebende Unternehmen der "New Economy".

"Damals waren sich auch viele Leute zu sicher mit diesem Segment, haben auf Diversifikation weitgehend verzichtet und sind irrwitzige Übergewichtungen von zum Teil 100 Prozent eingegangen", sagt Peterreins. "Als es dann krachte war es für diese Anleger wirklich schlimm."

Die Lehre daraus lautet: Trotz Zuversicht sollten Anleger auch bei Währungen stets auf die Diversifikation achten. Und das heißt aktuell: China, ja. Aber nicht zu viel.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.