Neuemissionen "Zeichnungsgewinn ist kein Menschenrecht"

Was vor Wochen noch unmöglich schien, ist am Mittwoch geschehen. Die Aktie von Pro DV startete unter dem Ausgabepreis am Neuen Markt. Auch Lycos erwies sich als Zeichnungs-Flop. Sind die fetten Zeiten vorbei?

Frankfurt am Main - "Der Zeichnungsgewinn ist kein Menschenrecht!" Diese Erkenntnis eines Händlers macht sich langsam unter den Investoren im Bereich breit. Erstmals startete in diesem Jahr mit der Aktie der Pro DV Software AG ein Dividendenpapier am Neuen Markt unterhalb des Ausgabepreises. Die für 23 Euro zugeteilten Papiere notierten erstmals bei 22 Euro und sanken weiter auf 21,70 Euro.

Noch spektakulärer muss der gänzlich misslungene Börsenstart von Lycos Europe bewertet werden. Der Titel startete zwar auf dem Niveau des Ausgepreises von 24 Euro, rutschten dann aber auf 23,60 Euro ab. Einig sind sich die Marktbeobachter, dass diese "Internet-Aktie" vor drei, vier Wochen noch mit deutlichen Aufschlägen in den Markt gegangen wäre.

Neuemissions-Euphorie vor dem Aus?

Über die Gründe für das schwache Abschneiden des Betreibers verschiedener Internetportale gehen die Meinung jedoch auseinander. Christoph H. Benner vom Small Cap Research der Deutschen Bank sieht darin vor allem das Symptom der Gesamtmarktentwicklung. Wie im vergangenen September gehe es angesichts der Flut von Börsengängen nun wieder zurück zu fundamentaleren Einschätzungen der Werte. Die Hysterie bei Neuemissionen ebbe angesichts des großen Angebots einfach ab, so seine Einschätzung. Bei der Erklärung für den schwachen Börseneinsteig von Lycos Europe legt Götz Albert, Analyst bei Independent Research (IR), den Akzent eher auf unternehmensspezifische Hintergründe.

"Ausgesprochen verschlossen" habe sich Lycos vor dem Börsengang gegenüber den zukünftigen Aktionären verhalten. Es seien keine Prognosezahlen und keine Präsentation ausgegeben worden. Das sei einfach schlecht aufgenommen worden. Außerdem könne er bei dem durchaus interessanten Wert kein echtes Alleinstellungsmerkmal entdecken. Diese Aspekte, verbunden mit dem großen Ausgabevolumen und einer zugegebenermaßen angeschlagenen Stimmung bei Neuemissionen, habe zu diesem ersten Kurs geführt, erklärte Albert. Es gibt aber seiner Sicht keinen Grund anzunehmen, dass sich Anleger von den Internetwerten an sich abwendeten.

Graumarktkurse spiegelten Flops zum Börsenstart

"An Tagen wie heute sieht man, was Kleinanleger wert sind", kommentierte Norbert Emtping, Händler bei der Börsenmakler Schnigge AG. Es sei schon seit Tagen zu beobachten, dass die kleinen Privatanleger ausblieben, weil sie offenbar den Glauben an den sicheren Zeichnungsgewinn verloren hätten.

Im Handel per Erscheinen habe es bei Pro DV und Lycos bereits am Dienstagnachmittag Hinweise auf die heutige Entwicklung gegeben. In ein ähnliches Horn stößt Edward Marten von M.M. Warburg. Bei Pro DV hätten Kleinanleger nach der schwachen Performance von Werten wie Travel24.com und Word Online offenbar Sorge vor Verlusten gehabt und sich vorsorglich von den Stücken getrennt. Die Graumarktkurse hätten eine solche Erstnotiz ja schon angedeutet. Daher hätten sich viele Anleger nach den guten Zeichnungsgewinnen der zurückliegenden Zeit bei Bekanntwerden der Zuteilung schnell zurückgezogen.

TV-Loonland: Satter Zeichnungsgewinn, Konzept überzeugte

Nicht überrascht zeigten sich Beobachter von der guten Performance der Aktie der TV-Loonland. An ihrem ersten Handelstag legten die Aktien der Münchener kurzzeitig bis auf 78 Euro und konnten damit ihren Ausgabepreis von 25 Euro zwischenzeitlich merh als verdreifachen. Der Produzent von Zeichentrickfilmen für Kinder habe eine solide Planung und ein plausibles Konzept vorgelegt, erklärte IR-Analyst Albert. Zu Gute komme dem Titel außerdem, dass es bereits Unternehmen am Markt gebe, die die Erfolgsaussichten des Geschäftskonzeptes von TV-Loonland unter Beweis gestellt hätten.

Den soliden aber unspektakulären Börsenstart von Asclepion-Meditec führen Beobachter auf die im Grunde nach wie vor positive Stimmung gegenüber Biotechnologie- und Medizintechnikwerten zurück. Asclepion (Zuteilungspreis: 29 Euro) starteten bei 34,50 Euro und hielten sich auf diesem Niveau.