Konjunktur Rückschlag auf dem US-Häusermarkt

Die staatlichen Hilfen, mit denen Barack Obama und Fed-Chef Bernanke den siechen US-Häusermarkt seit Monaten stützen, laufen schrittweise aus. Die Erholung des Marktes erhält dadurch einen empfindlichen Dämpfer: Die Baubeginne im Monat Mai brechen um zehn Prozent ein.
Neubausiedlung in Florida: Der Markt bleibt unter Druck

Neubausiedlung in Florida: Der Markt bleibt unter Druck

Foto: JEFF HAYNES/ AFP

Washington - Der Rückgang um 10 Prozent ist der stärkste seit 15 Monaten, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Analysten sehen darin eine Gegenbewegung zu den kräftigen Anstiegen aus den Vormonaten. Sie rechnen nicht mit einem Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession - zumal die Industrie ihre Produktion stärker als erwartet steigerte.

Aufs Jahr hochgerechnet wurde mit dem Bau von 593.000 Häusern und Wohnungen begonnen, das sind so wenige wie seit fünf Monaten nicht mehr. Volkswirte hatten lediglich mit einem leichten Rückgang gerechnet. Allerdings kommt der Rückschlag nicht völlig überraschend: US-Amerikaner konnten sich bis zum 30. April für Steuergutschriften bewerben, bis zu diesem Datum musste der Kaufvertrag unterschrieben sein. Die Zahl der Baugenehmigungen für Eigenheime fiel um 5,9 Prozent; aufs Jahr hochgerechnet lag die Zahl der genehmigten Anträge mit 574.000 so niedrig wie seit Mai 2009 nicht mehr.

Analysten gehen jedoch davon aus, dass die Schwäche nur vorübergehender Natur ist. Sobald die Erholung Tritt fasst, dürften sich wieder mehr Verbraucher zum Kauf eines Eigenheims entschließen. Allerdings werde das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte noch schwächer ausfallen, sagte Mark Vitner von Wells Fargo Securities.

Die US-Wirtschaft wächst zwar seit vier Quartalen wieder, die Erholung hat im Mai aber an Schwung verloren. Vor allem die Lage am Arbeitsmarkt bessert sich kaum. Das kratzt an der Beliebtheit von US-Präsident Barack Obama vor den Kongresswahlen im November.

Industrie steigert ihre Produktion

Die Firmen des Verarbeitenden Gewerbes, zu denen auch die Energieversorger gezählt werden, fuhren unterdessen ihren Ausstoß um 1,2 Prozent nach oben, wie die US-Notenbank Fed mitteilte. Dabei liefen vor allem die Kraftwerke der Energieversorger auf Hochtouren: Wegen des ungewöhnlich warmen Wetters schalteten im Mai besonders viele US-Amerikaner ihre Klimaanlagen ein.

Die Industrie stellte 0,9 Prozent mehr her als im Vormonat, besonders bei den Autoherstellern legte die Produktion zu. Die Kapazitätsauslastung stieg auf fast drei Viertel - sie ist damit deutlich höher als vor einem Jahr, als die Fabriken in der Rezession nur zu gut zwei Dritteln ausgelastet wurden. Im langjährigen Durchschnitt ist die Auslastung aber immer noch um 5,9 Prozentpunkte über dem derzeitigen Niveau.

Zinsen dürften niedrig bleiben

Analysten gehen daher nicht davon aus, dass Zinserhöhungen der Fed unmittelbar bevorstehen. Die US-Zentralbank ist anders als ihr europäisches Pendant nicht nur der Inflation, sondern auch dem Wachstum verpflichtet. "Die Fed hat in der Vergangenheit die Zügel nicht angezogen, bevor die Auslastung bei mindestens 78 Prozent war", sagte Alan Ruskin von RBS Global Banking & Markets. "Obwohl die Industrie Zugpferd der Erholung ist, heißt das, dass dieser Indikator noch ein ganzes Stück ansteigen muss, bevor er in den roten Bereich für die Fed kommt." Derzeit liegt die Auslastung der US-Industrie bei 74,7 Prozent.

la/reuters