Inflation So viel Schutz braucht Ihr Geld

Goldhändler melden Wartezeiten: Die Menschen stehen Schlange - aus Angst vor Inflation oder einer Währungsreform. Aber schützt der Kauf von Gold wirklich vor Inflation? Sind andere Anlagen besser? Finanztest hat nachgerechnet, wie sich Gold, Aktien und Staatsanleihen seit 1970 entwickelt haben - in Zeiten hoher und niedriger Inflation.

Inflationscheck in Kürze

  • Aktien. Entwickelten sich unabhängig von der Inflation und boten zudem die höchsten realen Renditen, ihr Wert schwankte aber stark. Die reale Rendite entspricht in etwa der nominalen Wertentwicklung abzüglich der Inflationsrate.
  • Anleihen. Den kurzfristig zuverlässigsten Inflationsschutz boten einjährige Bundesanleihen. Mit ihnen lagen Anleger nach Abzug der Inflation so gut wie immer im Plus. Über die gesamten vierzig Jahre betrachtet, waren die Renditen im Vergleich mit den anderen Anlageformen aber die geringsten.
  • Gold. In Zeiten höherer Inflationsraten gab es hier starke Preisausschläge. Wer einen guten Einstieg erwischte, konnte hohe Renditen mit dem Edelmetall erzielen. Möglich waren aber auch hohe Verluste.

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Ratgeber: Vier Tipps zum Inflationsschutz

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Bei Aktien zeigte sich in der Analyse von Finanztest kein erkennbarer Zusammenhang zwischen der realen Wertentwicklung und der Inflation. Die reale Rendite entspricht in etwa der nominalen Wertentwicklung abzüglich der Inflationsrate. Anfang der 70er Jahre zur Zeit der ersten Ölkrise zum Beispiel, als die Inflationsrate im Schnitt 5,9 Prozent pro Jahr betrug, gab es für deutsche Aktien ein Minus von 3,1 Prozent pro Jahr. In den beiden folgenden Phasen hoher Inflation in Deutschland lagen sie dagegen im Plus.

Anleihen: Kurzläufer meist im Plus

Schutz vor Inflation haben Anleger außerdem dann, wenn die reale Wertentwicklung möglichst sicher größer null ist, auch kurzfristig, und Verlustphasen nur kurz sind. Das ist zum Beispiel bei kurzlaufenden Bundesanleihen der Fall. Ihre reale Wertentwicklung lag in der Untersuchung von Finanztest auf Jahressicht am häufigsten über null. Dass kurz laufende Papiere einen besonders guten Schutz bieten, liegt daran, dass Anleger sich ohne große Kursverluste mit immer neuen Papieren dem höheren Zinsniveau anpassen.

Gold: Preisanstieg und -schwankungen

Wenn es stimmt, dass Anleger eine Inflation am besten mit Gold überstehen, müsste der Goldpreis besonders stark zulegen, wenn die Inflationsrate steigt. Finanztest hat das an den drei Phasen hoher Inflationsraten überprüft, die es in Deutschland seit den siebziger Jahren gab. Als sich die Inflation Anfang der siebziger Jahre und Anfang der achtziger Jahre stark beschleunigte, stieg tatsächlich auch der Goldpreis. Gleichzeitig vergrößerten sich aber auch die Kursschwankungen. Das zeigt, dass Gold keineswegs eine sichere Anlage ist. Anfang der siebziger Jahre stiegen die Goldpreise noch gemeinsam mit den Inflationsraten. Anfang der achtziger Jahre verteuerte sich das Gold vor allem zu Beginn der Hochinflationsphase. Als die Inflationsraten ihren Höhepunkt erreicht hatten, fiel der Goldpreis schon wieder. In der dritten Phase hoher Inflationsraten, Anfang der neunziger Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, reagierte der Goldpreis deutlich schwächer.

Fazit: Keine Panik

Laut Finanztest gibt es ohnehin keinen Grund zur Panik, denn volkswirtschaftliche Indikatoren sprechen nicht für eine hohe Inflation in nächster Zeit. Anleger sollten ihre Geldanlage deshalb nicht völlig umkrempeln und sich vor allem von dubiosen Anbietern keine Angst einreden lassen.

Tabelle: Das waren Zeiten
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