Umfrage manager-lounge Griechische Tragödie auf europäischer Bühne

Griechenland war eines der ersten Länder der Euro-Zone, die von der eigenen Schuldenlast in die Knie gezwungen wurden. Nun demonstriert das Land Sparwillen - auch auf massiven Druck der Gemeinschaft. Doch eigentlich wünschen sich vor allem die Deutschen etwas ganz anderes.
Von Arne Gottschalck
Griechische Tragödie: Trotz des Rettungsschirms ist der Ausgang ungewiss

Griechische Tragödie: Trotz des Rettungsschirms ist der Ausgang ungewiss

Foto: REUTERS

Von der griechischen Tragödie ist oft genug geschrieben worden, man mag es kaum mehr lesen. Doch das Bild passt noch immer. Akt eins der Tragödie - die Überschuldung, Akt zwei die Verzweiflung - und Akt drei?

Noch ist alles offen. Trotz aller Hilfen und Hoffnungen könnte das Land noch bankrott gehen - wie auch immer so etwas bei Staaten aussehen würde. Und obwohl das Land nur ein Bruchteil der Wirtschaftsleistung der europäischen Union erwirtschaftet: im aktuellen Umfeld wäre ein Staatsbankrott eine Katastrophe, weil der Glauben der internationalen Anlegergemeinschaft an den Euro damit zertrümmert würde. Bereits jetzt schaut die Welt gebannt nach Europa. Kein Wunder.

Da ist die volkswirtschaftliche Komponente. Die Frage also, wie sich die Länder der Europäischen Union vor dem Hintergrund der überbordenden Verschuldung entwickeln, welche Rolle den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wie China oder Indien durch die Verwerfungen zukommt. Und ob sich der Euro stabilisiert, jene vermutlich erste Währung, die am Reißbrett entworfen wurde.

Da sind aber auch die Finanzmärkte. Dort sorgt man sich zum Beispiel um europäische Staatsanleihen. Zum einem wegen der Krise selbst, zum andere aber auch wegen der Medizin, die die Staaten ihretwegen einnehmen. Zuerst die Spülung durch viel Geld, nun kommt der Entzug, das Sparen.

"In der Eurozone kommen derzeit alle Risken aufs Tapet", sagt Fondsmanager Sandor Steverink aus dem Hause Delta Lloyd Asset Management. Eine Frage nicht nur für kleine Sparer, sondern auch für ganze Sicherungssysteme. Denn auch Pensionsfonds oder Lebensversicherungen investieren in solche Anleihen. Kein Wunder, wenn ein amerikanisches Anlagehaus in einem internen Papier das 750 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für Griechenland als "shock-and-awe-move" bezeichnet, als eine, so die gängige Übersetzung, auf "Schockwirkung ausgelegte militärische Maßnahme".

Immerhin, ein bisschen scheint sie geholfen zu haben. Notorisch strenge Beobachter wie der US-Amerikaner und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sehen nicht mehr das Ende des Euro heraufziehen. Doch wie geht es nun weiter?

Klarheit fordert Fondsmanager Steverink vor allen Dingen ein, Klarheit von der Politik. Und spricht von drei Szenarien, die jetzt möglich wären. Szenario eins - die schwachen Länder wie Griechenland verlassen die Euro-Zone. Szenario zwei - die starken Länder wie Deutschland verlassen die Euro-Zone. Und Szenario drei - eine stärkere steuerliche und politische Integration innerhalb der EU-Länder.

Eine exklusive Umfrage unter den Mitgliedern der manager-lounge ergab, dass über die Hälfte der Befragten für das erste Szenario stimmen würden, wenn sie die Entscheidung zu treffen hätten. Griechenland raus aus der Eurozone - ein unpopulärer Schritt? "Wäre mir egal", meint zum Beispiel lounge-mitglied Christian Voigt von Siemens - "solange sie wirksam sind. Ich erinnere mich an die Asienkrise 1998. Malaysia führte umgehend Kapitalverkehrskontrollen ein." Ein Vorbild.

Etwas vorsichtiger fasst es Ralf Kölbach von der Westerwald Bank und zeigt das Dilemma auf: "Unterstützt man die Defizitsünder, besteht sicher die Gefahr von moral hazard auf Staatsebene, wenn man nicht harte Sparprogramme und deren Umsetzung kontrolliert. Unterstützt man sie nicht, bricht die Währungsunion und, schlimmer noch, vielleicht die EU teilweise auseinander."

Keine leichte Aufgabe für die deutsche Politik. Denn sie muss den Deutschen erklären, warum den Griechen trotz allem geholfen werden muss. Und dass, obwohl Deutschland seine Sparrunden - Rente mit 67 oder Einführung von Hartz IV - bereits hinter sich wähnte.

Entspannung sieht also anders aus. Fondsmanager Steverink indes lehnt sich zurück. Er hat bereits "im Januar einen Großteil der Staatsanleihen südeuropäischer Länder verkauft".