Freitag, 15. November 2019

Die tägliche Wirtschaftsglosse Berlin verbietet Kursverluste

Die Bundesregierung kommt mit ihren Maßnahmen zur Finanzmarktregulierung zügig voran. Nach den ungedeckten Leerverkäufen verbot sie Mittwoch früh auch gedeckte Aktienverkäufe. Die Börse reagiert am Ende des Tages euphorisch.

Die Aktienmärkte haben am Mittwoch mit kräftigen Kursgewinnen auf die jüngste Entscheidung der Bundesregierung zur Marktregulierung reagiert. Nach mehreren Tagen mit heftigen Verlusten legte der Dax Börsen-Chart zeigen deutlich zu. Am Nachmittag notierte der Leitindex mit 2 Prozent im Plus bei 5780 Punkten.

Christoph Rottwilm
Christoph Rottwilm
Grund für die gute Stimmung war Börsianern zufolge vor allem der neue Schritt Berlins gegen Spekulanten. Das schwarz-gelbe Kabinett hat in der Nacht zum Mittwoch beschlossen, nach den ungedeckten Leerverkäufen nun auch so genannte gedeckte Aktienverkäufe zu untersagen. Zudem schnürt die Regierung für alle Anleger, die durch die Kursverluste der vergangenen Wochen in Schieflage geraten sind, ein Schutzpaket mit einem Volumen von 99 Milliarden Euro und 99 Cent.

Ziel der Maßnahmen sei es, die Stabilität der Finanzmärkte wieder herzustellen, teilte die Bundesregierung mit. Innerhalb eines Monats sei der Dax um etwa 10 Prozent gefallen. Deshalb sei der Finanzplatz Deutschland in Gefahr. Noch vor Börsenöffnung am Mittwoch um Punkt 9 Uhr musste daher eine Lösung gefunden werden, um weitere Verluste zu verhindern. Experten hätten wiederholt davor gewarnt, welche katastrophalen Folgen für tausende Anleger, für die deutsche Volkswirtschaft und für die Weltordnung insgesamt drohten, wenn der Dax auf 5500 Punkte fiele. Das habe verhindert werden müssen, so die Mitteilung.

Zum Hintergrund: Bei gedeckten Aktienverkäufen (umgangssprachlich: "Aktienverkäufe") veräußert ein Anleger Papiere, die sich in seinem Besitz befinden, an einen Interessenten, der diese Papiere gerne hätte. Fachleuten zufolge sind solche Transaktionen die Ursache für einen Großteil der Kursverluste an der Börse.

Nicht zuletzt deshalb befinden sich Aktienverkäufe seit langem in der Kritik. "Aktienverkäufe sind ein beliebtes Instrument von Spekulanten", sagt ein Investmentbanker zu manager magazin. "Besonders Spekulanten, die fallende Kurse erwarten, verkaufen häufig Aktien in großer Stückzahl."

Die Krux: Leidtragende solcher Spekulationen sind in aller Regel die Käufer, so der Insider. Denn sie erwerben Papiere, von denen klar sei, dass sie mit 50prozentiger Wahrscheinlichkeit an Wert verlieren werden.

Damit soll nun aber Schluss sein. Nach der Verordnung der Bundesfinanzaufsichtsbehörde Bafin gilt das Verbot zunächst für alle Aktien, deren Namen mit den Buchstaben A bis M beginnen. In Kürze soll die Regelung auch auf die Anfangslettern N bis Z ausgedehnt werden.

Die Wirtschaftsglosse im manager magazin
Jeden Freitag eröffnen Autoren aus der Print- und Onlineredaktion von manager magazin einen anderen Blickwinkel auf das Wirtschaftsgeschehen: Weniger kursrelevant, aber am Ende des Tages umso unterhaltsamer.
Die Entscheidung stieß europaweit auf ein geteiltes Echo. Der deutsche Alleingang sei wenig hilfreich, hieß es beispielsweise in Brüssel. Die EU favorisiere weiterhin international abgestimmte Maßnahmen zur Marktregulierung. Das Nichtstun der vergangenen Monate etwa sei international abgestimmt gewesen und daher zu begrüßen.

Ein Kabinettsmitglied in Berlin zeigte sich dagegen zufrieden. Die Regierung habe unter Hochdruck Handlungsfähigkeit bewiesen, sagte der Minister. Nun gelte es, rasch weitere Schritte auf den Weg zu bringen. Nach den ungedeckten Leerverkäufen und den gedeckten Verkäufen sollen demnach in Kürze auch gedeckte Leerverkäufe sowie ungedeckte Verkäufe verboten werden. Sollte auch das den Markt nicht zur Ruhe bringen, müsse man sich zudem die Käuferseite vornehmen, so der Finanzpolitiker: Ungedeckte Leerkäufe, gedeckte Käufe und und und …

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