Mittwoch, 11. Dezember 2019

Sturman-Kolumne Das Ende der Versuchung

Die behördliche Belagerung der Wall Street intensivierte sich vergangene Woche: Sowohl Aufsichtsbehörden und Staatsanwälte als auch der US-Senat erhöhten den Druck, und gaben damit einen Ausblick auf die härtere aufsichtsbehördliche Zukunft von Wall Street.

Nachdem die SEC Zivilklage gegen Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen erhoben hatte, hat das US-Justizministerium parallel ein Strafverfahren in gleicher Sache eingereicht. Die SEC hat ihre Untersuchung des betrügerischen Verkaufs von Derivaten erweitert, und untersucht zurzeit in dieser Sache unter anderem auch Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen.

Wall Street: Die Banken werden höchstwahrscheinlich aufgrund Betruges an ihren Kunden angeklagt werden
Getty Images
Wall Street: Die Banken werden höchstwahrscheinlich aufgrund Betruges an ihren Kunden angeklagt werden
JP Morgan Chase, Citigroup Börsen-Chart zeigen, Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, UBS Börsen-Chart zeigen, Morgan Stanley, Goldman Sachs, Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen und Crédit Agricole wurden alle von der New Yorker Staatsanwaltschaft vorgeladen, die die Herausgabe von Information über den Umgang der Banken mit Ratingagenturen bei der Erstellung von Wertpapieren forderte. Die Ratingagenturen wurden ebenfalls vom Staatsanwalt vorgeladen. Zivil- und strafrechtliche Klagen im Namen des Staates New York sowie Klagen von der US-Regierung werden wahrscheinlich folgen.

Obwohl die Banken unter intensiver Beobachtung aufgrund ihrer eigenen Handlungen stehen, hat sich die behördliche Aufmerksamkeit verstärkt den Ratingagenturen zugewandt. Es wird seit langem vermutet, dass Ratingagenturen Derivate über ihrem tatsächlichen Wert bewertet haben, um sich so weitere Aufträge von Banken zu sichern.

Die Gewährung von überhöhten Bewertungen für CDOs und andere Derivative ermöglichte es den Banken, Derivate für weitaus mehr als dem sowohl den Banken als auch den Ratingagenturen bekannten Wert zu verkaufen. Verkäufer von Wertpapieren, die falsche oder irreführende Informationen über den Wert ihrer Waren vermitteln, verstoßen gegen geltendes Recht und können sowohl straf- als auch zivilrechtlich belangt werden. Tatsächlich haben Anleger Milliarden von Dollar verloren, als fälschlich mit "AAA" oder als sicher bewertete Investitionen scheiterten.

Am vergangenen Donnerstag beschloss der US-Senat, die Art und Weise, in der Ratingagenturen und Banken Geschäfte tätigen können, zu ändern. Wenn die Vorlage des Senates zum Gesetz in den USA werden sollte, wird es Banken nicht länger möglich sein, direkt Aufträge an individuelle Ratingagenturen zu erteilen.

Es ist geplant, dass die SEC einen unabhängigen Verwaltungsrat einrichtet, der entscheiden soll, welche Agentur das Rating vornehmen soll. Das Ziel ist es, die Ratingagenturen jeglicher Versuchung zu entheben, in Zukunft Wertpapiere wie Derivate zu überbewerten, um sich dadurch Folgeaufträge des Kunden zu sichern. Was die Lage noch schlimmer macht ist, dass die Banken gegen ihre eigenen CDOs gewettet haben. Die American International Group (AIG) Börsen-Chart zeigen, die viele dieser Transaktionen versichert hatte, wird wahrscheinlich eine Reihe der Banken deshalb verklagen.

Deborah Sturman
Die Rechtsanwältin vertritt institutionelle Investoren aus Europa in Aktionärsklagen und berät europäische Anleger im Rahmen des Legal Portfolio Management bei ihren finanziellen Engagements. Alle Kolumnen von Deborah Sturman finden Sie hier .
Die Gesetzesvorlage des Senates ist somit ein Schritt in die richtige Richtung. Das alte, weitgehend unregulierte System führte schließlich zu der jetzigen Krise. Die Banken werden höchstwahrscheinlich aufgrund Betruges an ihren Kunden angeklagt werden. Der Marktwert von Goldman Sachs hat schon stark gelitten; er stürzte um zwölf Milliarden US-Dollar nach der SEC-Klageeinreichung ab. Die Geschäftsführung wird mit den laufenden Verfahren noch lange beschäftigt und dadurch abgelenkt sein.

Wie ein angesehenes Mitglied der Finanzwelt gewitzelt hat, sind Derivate "finanzielle Massenvernichtungswaffen", die "beinahe unreguliert verkauft werden".

© manager magazin 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung