OECD-Studie Alleinerziehende stärker belastet

Die Steuer- und Abgabenlast für Arbeitnehmer in Deutschland ist gesunken. Sie liegt gleichwohl über dem OECD-Durchschnitt. Als besonders belastet gelten im internationalen Vergleich Geringverdiener und Alleinerziehende. Die OECD rät dazu, die deutschen Sozialsysteme stärker über Steuern zu finanzieren.

Paris - Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in ihrer jährlichen Studie zur Abgabenbelastung feststellte, war die Entlastung für Familien und Alleinerziehende im vergangenen Jahr größer als in Haushalten ohne Kinder, weil das Kindergeld erhöht wurde. Für alle untersuchten Haushaltstypen sei die Abgabenlast nun unter das Niveau im Jahr 2000 gesunken, obwohl die nominalen Durchschnittslöhne seither um fast 20 Prozent gestiegen seien.

Der Faktor Arbeit werde in Deutschland aber immer noch deutlich stärker mit Sozialabgaben und Steuern belastet als in den meisten anderen OECD-Ländern, hieß es in der Studie. Besonders weit über dem Mittelwert der OECD liegt demnach die Belastung für alleinstehende Geringverdiener und Alleinerziehende. Bei einem alleinerziehenden Geringverdiener mit zwei Dritteln des von der OECD angelegten Durchschnittsverdienstes hätten Steuern und Sozialabgaben im vergangenen Jahr 31 Prozent der Arbeitskosten ausgemacht - gut 14 Prozentpunkte mehr als der OECD-Durchschnitt. Als Durchschnittslohn gilt der durchschnittliche Jahresbruttoverdienst eines Vollzeitarbeitnehmers in der Privatwirtschaft, in Deutschland waren dies vergangenes Jahr 40.929 Euro.

Vergangenes Jahr hätten Steuersenkungen im Rahmen von Konjunkturprogrammen in vielen OECD-Ländern zu einer geringeren Steuer- und Abgabenlast geführt, stellte die in Paris ansässige OECD fest. In Deutschland waren die wichtigsten Faktoren demnach die Anhebung des Kindergeldes, eine leichte Anpassung des Einkommensteuertarifs und gesunkene Nominallöhne. Auf mittlere Sicht hätten von den Entlastungen der vergangenen Jahre in Deutschland vor allem alleinstehende Spitzenverdiener profitiert.

Die im internationalen Vergleich hohen Sozialabgaben bremsten die Beschäftigung in Deutschland, heißt es in der Studie weiter. Die Sozialsysteme sollten daher stärker über Steuern etwa auf Konsum und Grundbesitz finanziert werden. So wird der Faktor Arbeit in Deutschland nämlich um 51 Prozent statt 36,4 Prozent im OECD-Mittel belastet. Frankreich liegt dabei nur ganz knapp hinter Deutschland. Höher ist die Belastung der Arbeit nur in Belgien und Ungarn.

manager magazin mit Material von dpa und afp

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