Sonntag, 17. November 2019

Euro-Rettungsplan "Kampf gegen Spekulanten gewonnen"

Notenbanken, Politik und Währungshüter haben das von Euro-Spekulanten angefachte Feuer erstickt. Der Flächenbrand ist abgewendet und die Spekulanten nachhaltig besiegt, sagt Folker Hellmeyer. Der Chefanalyst der Bremer Landesbank erklärt, warum die Inflationsgefahr klein bleibt und bestimmte Finanzinstrumente jetzt reguliert werden sollten.

mm: Herr Hellmeyer, Spekulanten attackieren seit Wochen verstärkt den Euro. Wer verbirgt sich hinter den Angriffen, die die Währung so in die Tiefe getrieben haben?

 Klares Signal an die Märkte: Notenbanken, Politik und Internationaler Währungsfonds haben ein umfassendes Paket zur Verteidigung des Euro gegen Spekulanten geschnürt. Die Märkte reagieren am Montag prompt: Der Euro steigt und die Risikoaufschläge für Staatsanleihen europäischer Krisenländern fallen kräftig
DPA
Klares Signal an die Märkte: Notenbanken, Politik und Internationaler Währungsfonds haben ein umfassendes Paket zur Verteidigung des Euro gegen Spekulanten geschnürt. Die Märkte reagieren am Montag prompt: Der Euro steigt und die Risikoaufschläge für Staatsanleihen europäischer Krisenländern fallen kräftig

Hellmeyer: Hier handelt es sich nicht mehr um einen maßgeblich dominierenden Einzelgänger wie George Soros, der 1992 das britische Pfund in die Knie zwang. Hier wettet sehr wahrscheinlich ein gutes Dutzend größerer Akteure an den Devisenmärkten gegen den Euro. In erster Linie sind es Hedgefonds aber auch die Handelsabteilungen großer Investmentbanken, die über London und New York Druck auf die Gemeinschaftswährung aufbauen. Das Fatale: Je erfolgversprechender sie agieren, desto mehr Spieler schließen sich ihnen an.

mm: Lässt sich ein gemeinsames Vorgehen der Spekulanten ausmachen und könnte dies kartellrechtliche Konsequenzen haben?

Hellmeyer: Ich würde das nicht ausschließen. Dabei darf nicht nur, nein, es muss untersucht werden, ob es hier kartellrechtlich zu Gesetzesverstößen gekommen ist.

mm: Nun haben einige Euro-Länder in der Tat ja erhebliche Schuldenprobleme. Rechtfertigt dies das Ausmaß und die Intensität der Attacken gegen den Euro?

Hellmeyer: Nein, auf keinen Fall. Nehmen wir zum Beispiel Portugal oder Spanien - die Refinanzierungsprobleme dieser aber auch anderer Euro-Länder haben sich durch die Spekulationen gegen den Euro massiv verschärft. Dabei stehen die Angriffe in keinem Verhältnis zu den Fundamentaldaten. Die spanische Staatsverschuldung liegt bei etwa 60 Prozent des BIP, die Portugals bei rund 80 Prozent und die Deutschlands ebenfalls bei rund 80 Prozent - das Ausmaß der Spekulationen können wir nur als übertrieben und wenig stichhaltig bezeichnen.

mm: EU, IWF und EZB haben einen 750-Milliarden-Euro-Schirm zur Rettung der Gemeinschaftswährung aufgespannt. Der Euro steigt, die Risikoaufschläge für Anleihen europäischer Krisenstaaten sinken kräftig. Haben die Euro-Retter jetzt nur eine Runde oder tatsächlich die Ringschlacht gegen die Spekulanten gewonnen?

Hellmeyer: Aus meiner Sicht hat man den Kampf gegen die Spekulanten gewonnen. Das aufgesetzte Programm und die dahinter stehenden Institutionen sind stark genug, um die Euro-Zone aus dem Schussfeld der Spekulanten zu nehmen. Hinter der konzertierten Aktion, die wir als Teil eines globalen Programms der G30-Staaten verstehen sollten, steht eine klare Botschaft. Sie lautet: Das Scheitern ist keine Option! Mit anderen Worten: Notenbanken, Internationaler Währungsfonds und die Regierungen weltweit werden eine weitere Destabilisierung des Finanzsystems und der Weltwirtschaft nicht zulassen. Der Ausrutscher, den sich Bundeskanzlerin Angela Merkel geleistet hat, ist teuer, wird aber durch die angekündigten Maßnahmen korrigiert.

mm: Starke Kursausschläge bei Anleihen und Euro haben wir in der Vergangenheit mehrfach gesehen. Halten Sie das in der Nacht vereinbarte EU-Rettungspaket wirklich für nachhaltig?

Hellmeyer: Ja, das jetzt in Rede stehende Paket versetzt die Euro-Zone in eine vergleichbar mächtige Position wie die US-amerikanische Regierung und die US-Notenbank seinerzeit. Ich bin sicher, dass sich nicht zuletzt durch den Ankauf von Staatsanleihen über die EZB die Attacken gegen das Euro-System abwehren und die Liquiditätsspekulationen beenden lassen.

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