Freitag, 6. Dezember 2019

Euro-Rettungsplan "Kampf gegen Spekulanten gewonnen"

2. Teil: "Regulierung von Kreditausfallversicherungen sinnvoll"

mm: Erhöht sich nicht gerade mit diesem Beschluss die Inflationsgefahr in der Euro-Zone drastisch? Ist seit gestern Nacht der Weg zur Inflationsgemeinschaft nicht geradewegs vorgezeichnet?

Hellmeyer: Vordergründig mag diese Gefahr bestehen, ich halte sie aber weder für dauerhaft noch für existentiell. Die Beschlüsse zielen darauf ab, die Kapitalmärkte zu stabilisieren. Gleichzeitig wird die EZB das Kapital, das sie dafür aufwendet, über die Geldmärkte wieder abziehen. Unter dem Aspekt der Geldmenge wird das Ganze also ein Nullsummenspiel werden. Ich erwarte daher aus diesen Maßnahmen keinen nachhaltig inflationären Druck.

"Scheitern ist keine Option": Folker Hellmeyer, Chefanalyst Bremer Landesbank
mm: Was bedeuten die getroffenen Beschlüsse für die Haushalte der Euro-Mitglieder, insbesondere Deutschland?

Hellmeyer: Ich glaube, dass der 750 Milliarden Euro breite Schutzschirm überhaupt nicht in voller Größe zum Einsatz kommen, das Geld in dieser Höhe also nie benötigt werden wird. Das Paket musste aber in dieser Größe geschnürt werden, um die Euro-Spekulanten möglichst nachhaltig in die Schranken zu weisen.

mm: Bundesfinanzminister Schäuble will sich dafür einsetzen, dass Produkte, die an den Märkten zu besonders starken Ausschlägen führen können, streng reguliert oder gar verboten werden. Welche Finanzinstrumente sehen Sie hier im Vordergrund?

Hellmeyer: Neben ungedeckten Leerverkäufen stehen in erster Linie Credit Default Swaps in der Schusslinie der Kritik. Diese Kreditausfallversicherungen sind im Grunde ein sinnvolles Finanzinstrument. In der Anwendung wie wir sie jetzt aber vor allem durch Spekulanten sehen, destabilisieren sie die Märkte für Staatsanleihen. Das kann und darf nicht Ziel solcher Produkte sein. Insofern wäre tatsächlich eine Regulierung oder weiterführende Beschränkung der CDS sinnvoll. Damit wir uns nicht missverstehen: Ich habe nichts gegen Spekulation, sie darf jedoch die fundamentalen Daten nicht einfach ignorieren. Genau das haben einige große Euro-Spekulanten in der Vergangenheit aber bewusst getan.

mm: Credit Default Swaps dürften sich nur auf internationaler Ebene regulieren lassen. Welche realistische Chance hätte Schäubles Vorstoß dann überhaupt?

Hellmeyer: Ob nun gezielt oder nicht - letztlich haben Spekulanten mit ihren Angriffen auf die Euro-Zone versucht, das Weltfinanzsystem zu destabilisieren. Ich glaube, dass man dieses systemische Risiko nicht nur in der Euro-Zone, sondern auch an den Bankenplätzen in New York und London und vor allem in der Politik erkannt hat. Das dürfte die Bereitschaft zu einer scharfen Regulierung deutlich erhöhen. Alle Verantwortlichen müssen sich letztlich fragen lassen, ob in Krisenzeiten wie diesen das Primat der Politik oder das Primat der Finanzmärkte gelten soll.

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