Commerzbank Zu Schadenersatz wegen Fokker-Anleihen verurteilt

Das Landgericht Frankfurt macht Anlegern Hoffnung, die bei der Fokker-Pleite Geld verloren haben. Wegen vermeintlich mangelhafter Beratung soll die Großbank an drei Kunden rund 600.000 Mark Schadenersatz zahlen.

Frankfurt am Main - Dies hat das Landgericht Frankfurt entschieden (Aktenzeichen: 3/11 O 16/99). Die Commerzbank bestätigte am Donnerstag entsprechende Angaben einer Rechtsanwaltskanzlei aus Grünwald bei München. Hintergrund sind Finanzgeschäfte im Zusammenhang mit Anleihen des niederländischen Flugzeugbauers Fokker, der 1996 in Konkurs ging. Die Commerzbank will Berufung gegen das Urteil einlegen.

Der Anwalt der Kläger, Klaus Rotter, sieht dagegen nun den Weg frei für eine Vielzahl weiterer Kunden der Commerzbank, die sich von einer Klage hätten abschrecken lassen. Die Bank habe bisher Ansprüche wegen fehlerhafter Beratung stets mit der Begründung abgelehnt, sie habe ihre Kunden rechtzeitig vor dem Konkurs des Unternehmens Fokker gewarnt. Diesem Einwand habe sich das Landgericht Frankfurt jedoch nicht anzuschließen vermocht.

Das Gericht habe befunden, dass den drei Anlegern, denen in der Zeit von 1993 bis Anfang 1995 die Fokker-Anleihen als sicheres Investment empfohlen wurde, die Anleihe nicht hätte verkauft werden dürfen, ohne auf die desolate Lage des Unternehmens Fokker hinzuweisen. Das Landgericht habe der Research Abteilung der Bank eine mangelnde Ausstattung der eigenen Berater mit Informationen attestiert.

Zwei der drei Anleger sei die Fokker-Anleihe von der Filiale Hongkong der Commerzbank empfohlen worden. Deshalb sei nach Ansicht des Landgerichts Frankfurt das in Hongkong geltende britische Recht anzuwenden. Das Gericht befand laut Rotter jedoch, dass auch nach britischem Recht eine Pflicht zur vollständigen Aufklärung über das Risiko der Fokker-Anleihen bestanden hat. Es habe die Commerzbank nicht nur zur Zurückzahlung des Anlagebetrags, sondern auch zur Zahlung der entgangenen Zinsen verurteilt.

Die Bank hält die Ansprüche für nicht gerechtfertigt und will deshalb gegen die bisher beschriebenen Teile des Urteils Berufung einlegen, die von einer vermeintlich mangelhaften Beratung ausgehen. Sie wies außerdem darauf hin, dass im selben Verfahren die Ansprüche von insgesamt 20 Klägern wegen "Prospekthaftung" im Zusammenhang mit einer DM-Fokker-Anleihe von 1993 zurückgewiesen wurden. Das Gericht sei in diesen Fällen der Auffassung der Commerzbank gefolgt, es habe sich bei einem Informationspapier "nicht um einen Börsenprospekt gehandelt".