BMW Alchemy Partners: In fünf Jahren soll Rover Gewinn machen

Die fünf Partner des zweitgrössten Venture-Capital-Fonds Grossbritanniens bezeichnen sich selbst gerne als "Rudel jagender Hunde". In fünf Jahren wollen sie Rover sanieren und mit Gewinn verkaufen. Können sie mehr als BMW?

London - Scheinbar aus dem Nichts taucht der Risikofonds Alchemy Partners auf, um eine der führenden Marken Grossbritanniens zu retten. Der zweitgrösste Risikofinanzierer der Insel ist darauf spezialisiert, marode Unternehmen aufzumöbeln - oder sie in Teilen zu verkaufen.

Alchemy-Gründer Jon Moulton will sich für Rover fünf bis sechs Jahre nehmen. Dann will er den Autobauer in der Gewinnzone haben - und wieder verkaufen. Moulton will sogar auf Regierungsunterstützung verzichten - immerhin 152 Millionen Pfund hatte London BMW zugesagt, um die Sanierung des Rover-Werkes Longbridge zu unterstützen. Dieses Hauptwerk mit 9000 Beschäftigten werde erhalten bleiben. Mit einem Stellenabbau sei aber zu rechnen.

Analysten bleiben freilich skeptisch: Sie erwarten einen weitaus schnelleren Verkauf und rechnen damit, dass die Risikofinanziers nur als Strohmann für einen Autokonzern her halte. Wo BMW versagt habe, werde Alchemy es kaum besser können, heisst es.

Alchemy Partners wurden erst 1997 gegründet. Die nur fünf Partner - vier in London und einer in Frankfurt - brachten es im Jahr darauf schon auf ein investiertes Vermögen von rund 234 Millionen Pfund. Das Geld wurde in 21 Unternehmen angelegt. Nahezu aus dem Stand kletterten Alchemy Partners hinter 3i auf Rang zwei der Rangliste der Venture-Capitalists.

Ihr Kapital erhalten Alchemy Partners unter anderem von General Motors, Bank of America, AT&T, der US-Investmentbank Goldman Sachs, von Chase Capital Partners, dem Versicherungskonzern Axa sowie von grossen Pensionsfonds wie dem von British Aerospace.

Die Risikofinanzierer bezeichnen sich selbst als ein "Rudel jagender Hunde" - offenbar genau das, was Rover jetzt braucht.

"Wir begrüssen komplexe Transaktionen und Turnarounds. Schwierigkeiten schrecken uns nicht ab - wir sehen sie als Herausforderung", erklärt Alchemy auf der eigenen Webseite im Internet.

Ganz ohne Autoerfahrung geht Alchemy nicht an Rover heran. Jon Moulton, einer der Leiter des Fonds, war Vorstand einer Gesellschaft, die den britischen Motorsportkurs Brands Hatch managte. Zuletzt war als Direktor bei Apax Partners für Management Buy-Outs zuständig.

Moulton nimmt für sich in Anspruch, 200 Millionäre geschaffen zu haben. Als sein Meisterstück gilt die Sanierung des Schreibgeräte-Produzenten Parker. Moulton machte aus der Firma mit einem Jahresverlust von 20 Millionen Pfund binnen sieben Jahren ein Unternehmen mit 40 Millionen Pfund Gewinn.

Die Sanierung brachte Moulton auch den Ruf einer gewissen Rücksichtslosigkeit ein. Zu seinen ersten Orders am Tag der Übernahme von Parker gehört die Schließung der US-Zentrale mit 120 Jobs.

Chris Woodwark, Aufsichtsrat bei Alchemy, kennt sich auch in der Autoproduktion aus. Er leitete 1995 Rolls Royce Motor.

Zum Kreis der Bieter um Rover wird schliesslich noch Kevin Morley gezählt, bis 1992 Marketingdirektor der Marke und jetzt Berater für Alchemy.

Eines ist für Alchemy-Chef Moulton jetzt schon klar: Der Name Rover soll nicht erhalten bleiben. Die Marke werde weiter für die älteren Modelle benutzt werden. Neue Marken würden diesen Namen aber nicht tragen. "Der Name Rover ist in den vergangenen Jahren verblasst."