LibertySurf Internet-Erstnotiz überfordert Pariser Börse

Internet-Fieber in Frankreich: Die Erstnotiz des Web-Providers LibertySurf brachte die Pariser Börse aus dem Tritt und Anlegern knapp 50 Prozent Zeichnungsgewinn. Das Papier ist schon an deutschen Börsen zu haben.

Paris - Das hatte die Börse in Paris noch nicht erlebt: Viermal musste die Notiz des Börsenneulings Liberty Surf vom Handel ausgesetzt werden, nachdem die Nachfrage den Kurs des Papiers in immer neue Höhen trieb und dabei die eingebauten Sicherheitsmechanismen der Börse knackte.

Schon im Vorfeld war die Kauflust so gross, dass die Pariser Börse ihre eherne Regel brach. Liberty Surf durfte als erstes Unternehmen in den Handel, ohne die eigentlich vorgeschriebene Frist von drei Jahren mit nachprüfbaren Jahresabschlüssen absolviert zu haben. Der Web-Provider ist das erste Internet-Unternehmen in Frankreich, das diese Hürde nahm.

Privatanleger zeichneten im Vorfeld das 67fache der ihnen letztlich zugeteilten Tranche. Bei institutionellen Investoren war die Tranche noch 60fach überzeichnet.

Dank der hohen Nachfrage konnte LibertySurf den Emissionspreis vergleichsweise hoch ansetzen. Zeichner erhielten das Papier für 41 Euro - eine aktuell vergleichbare Lycos-Europe-Aktie ist für 24 Euro zu haben.

Dennoch durften sich die Anleger, die Papiere erhielten, am ersten Börsentag über einen Kurs von 79 Euro freuen. An den Börsen in München und Stuttgart wird das Papier mit der Wertpapier-Kennnummer 936 026 nach der Konsolidierung des Marktes gestern aktuell zu knapp 60 Euro gehandelt.

LibertySurf ist der zweitgrösste Internet-Provider in Frankreich und mit 650.000 Mitglieder der grösste Konkurrent des Marktführers France Telecom.

Nach Einschätzung von Unternehmenschef Pierre Besnainou soll das Unternehmen ab 2002 Gewinn machen. Derzeit verbucht LibertySurf einen Umsatz von rund 120 Millionen Francs.

Zu den grossen Gewinnern des Börsengangs zählen auch die Anteilseigner, die britische Handelskette Kingfisher und der LVMH-Chef Bernard Arnault mit seinem Internet-Fonds "Europe at Web". Sie dürfen allerdings ihre Anteile erst in einem Jahr verkaufen.

LibertySurf reiht sich in ein in die Reihe anderer erfolgreicher Börsengänge von Internet-Providern. Vorreiter Freeserve startete im Juli vergangenen Jahres an der Börse in London mit einem Marktwert von 2,9 Milliarden Euro. Heute ist die Firma 9,1 Milliarden Euro wert. In Spanien löste der Börsengang von Terra Networks eine ähnliche Internet-Euphorie aus.

Die Wachstumschancen werden allerdings für Frankreich deutlich höher eingeschätzt als für Grossbritannien und für Deutschland. Erst acht Prozent der Franzosen nutzen das Internet, ihre Zahl soll jedoch bis 2004 um 38 Prozent steigen.