Studien Banken machen Kunden zu schaffen

Mit zu hohen Zinsen und Gebühren sowie teuren Riesterverträge berechnet Deutschlands Finanzindustrie ihren Kunden einer Studie zufolge mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr zu viel. Laut Stiftung Warentest und Verbraucherschützern fehlt es an Finanzaufsicht. Zudem verschärfen die Banken auch noch die Kreditkonditionen.

Berlin - "Die Beispiele zeigen systematisches Marktversagen zulasten der Verbraucher", sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, am Mittwoch in Berlin. Weil Banken zu hohe Zinsen für Dispokredite nähmen, entstehe den Verbrauchern ein jährlicher Schaden von etwa 650 Millionen Euro. Die Banken kämen derzeit sehr günstig an Geld, gäben dies aber nicht immer weiter.

Viele Riesterprodukte sind nach Einschätzung der Stiftung Warentest zu teuer. Deshalb entstehe ein Schaden von rund 115 Millionen Euro für Verbraucher. Wenn die durchschnittliche Rendite ein Prozent geringer ausfalle, seien die Verluste schon enorm.

Die Gebühren für das Abheben an Geldautomaten, die nicht zur Hausbank gehören, sind nach Ansicht von Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest zu hoch: Die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass die Kosten der Geldinstitute bei maximal zwei Euro pro Abhebung liegen, die Kunden zahlten aber sieben Euro im Durchschnitt. Dies koste sie 100 Millionen Euro im Jahr bei 20 Millionen Transaktionen. Die Banken und Sparkassen prüfen derzeit eine Obergrenze für die Gebühren beim Abheben an anderen Geldautomaten.

Nach einer Umfrage unter Banken kommen Verbraucher zudem immer schwerer an Kredite. Die Institute verschärften in den ersten drei Monaten 2010 ihre Standards für die Vergabe von Wohnungsbaukrediten leicht und diejenigen für Konsumentenkredite spürbar, wie die Bundesbank am Mittwoch mitteilte. Dagegen blieben die Bedingungen für Unternehmenskredite unter dem Strich weitgehend unverändert. Lediglich bei langfristigen Geschäften mit Firmen zogen die Banken die Zügel nochmals an.

"Alles in allem gibt es derzeit wenig Hinweise auf eine breite Kreditklemme in Deutschland oder auf künftig zu erwartende massive angebotsseitige Hemmnisse am deutschen Kreditmarkt", kommentierte Bundesbank-Präsident Axel Weber in einer Rede diese Ergebnisse des vierteljährlichen "Bank Lending Survey". "Ein solches Risikoszenario ist jedoch sicherlich nicht gänzlich auszuschließen."

Im zweiten Quartal 2010 wollen die Kreditinstitute in Deutschland die Bedingungen für Unternehmenskredite und für Darlehen für den privaten Wohnungsbau nicht weiter verschärfen. Bei Verbraucherkrediten drohen allerdings noch strengere Maßstäbe.

Im Euro-Raum verschärften die Banken ihre Kreditvergabebedingungen im ersten Quartal erneut leicht, wie aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. Die Gesamtnachfrage nach Krediten war der Studie zufolge im ersten Quartal rückläufig. Im Zeitraum April bis Ende Juni erwarten die Institute im Euro-Raum lediglich bei Krediten für Firmen eine leichte Verschärfung der Standards.

manager magazin mit Material von dpa

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