Kursverluste Griechenland-Krise drückt Anleihenfonds

Die Krise in Griechenland trifft nicht nur große Banken und den Steuerzahler, sondern auch hunderttausende Anleger in deutschen Rentenfonds. Denn viele der Fonds haben das Geld ihrer Anleger auch in deren Staatsanleihen investiert. Doch was früher für eine klein wenig höhere Rendite sorgen sollte, könnte nun zum Verlustgeschäft werden.

Hamburg - Deutschlands Rentenfondsanleger sind nervös. Ihre Anleihenfonds geraten teils kräftig unter Druck. Denn deren Fondsmanager haben in der Vergangenheit oftmals Anleihen des jetzigen Krisenstaates Griechenland in das Depot genommen. Doch was einst für einen kleinen Renditekick sorgte, setzt die Fonds jetzt unter Druck.

So enthielt zum Beispiel ein Fonds der Deutschen-Bank-Tochter DB X-Trackers, das sich am Iboxx-Index für Staatsanleihen aus der Eurozone orientiert, nach jüngsten Angaben knapp 4,8 Prozent griechische Papiere. Auch das Konkurrenz-Produkt von Lyxor, das sich am Index EuroMTS orientiert, wies zuletzt einen Griechenland-Anteil von gut 4,7 Prozent aus. Und dazu kommen noch Staatsanleihen anderer Länder, deren Bonität ebenfalls immer stärker unter Druck gerieten. Das zusammen wirkt sich bereits auf die Kurse aus.

In der Summe haben diese Fonds seit den Höchstständen Anfang April um die 2 Prozent an Wert verloren. Die Kursgewinne deutscher Bundesanleihen, die in der Gegenbewegung zu den Griechenland-Anleihen an Wert zulegten und ebenfalls in den Depots der Fonds enthalten sind, konnten diesen Effekt unter dem Strich nicht mehr auffangen.

Unübersichtlich wird es bei den aktiv verwalteten Rentenfonds, bei denen die Fondsmanager die Gewichtung selbst festlegen. Hier hilft der Blick in die Jahresberichte großer Fondsgesellschaften wie Union Investment, Deka oder DWS. Je nach Anlageprodukt sind teilweise gar keine griechischen Staatsanleihen enthalten, in anderen dagegen mehr als zehn Prozent.

Nach einer Aufstellung des Investment-Verbandes BVI sind in den in Deutschland vertriebenen Euro-Rentenfonds insgesamt mehr als 80 Milliarden Euro angelegt. Sie verteilen sich auf mehr als 500 Fonds und Anteilsklassen. Angaben über den jeweiligen Anteil der Länder liegen dem BVI nicht vor. Eine Studie im Auftrag des BVI ergab, dass rund 9,7 Millionen deutsche Haushalte Investmentfonds besitzen. Davon sind rund 25 Prozent auch in Rentenfonds engagiert.

Problematisch könnten nun für manche Fonds die Herabsetzung der Ratings für Griechenland & Co. werden. Denn wenn die Fonds nur Anleihen mit einer gewissen Mindestsicherheit halten dürfen, müssen sie ihre Papiere gegebenenfalls verkaufen, egal wie die Kurse stehen. So hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Dienstag ihr Rating für griechische Staatsanleihen auf das Ramschniveau "BB+" gesenkt und damit Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst.

Rochus Görgen, dpa

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