Die tägliche Wirtschaftsglosse Lottomillionäre bei Goldman Sachs

Viele Investmentbanker erleben zurzeit große Tragik: Am Ende des Tages trägt jeder Reichtum bereits den Keim des Verlustes in sich.

Im Leben eines Menschen gibt es zwei Tragödien, sagte einmal der irische Satiriker George Bernhard Shaw. Die eine ist, nicht zu bekommen, was das Herz begehrt. Die andere ist, es zu bekommen.

Das ist ein Schock, das ist ein Traum, sagte vor ein paar Tagen der amerikanische Teilzeitverkäufer Chris Shaw. Es wird großartig sein, zu sehen, wie meine Kinder Dinge tun können, die ich nie tun konnte.

Shaw, also Chris Shaw, lebt im US-Staat Missouri und hat an der Stelle eine Lücke, wo andere ihre Schneidezähne haben. Bislang war er, wie er selber sagt, ein Durchschnittstyp, der von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck lebt. Künftig ändert sich das. Dann ist er ein Durchschnittstyp, der 258 Millionen Dollar im Lotto gewonnen hat.

Mister Shaw ist jetzt reich. So viel Geld hatte er noch nie. Und Top-Anlageberater werden ihm demnächst genau sagen, wie er aus dem vielen Geld noch mehr Geld machen kann. Man muss also kein Hellseher sein, um zu sagen: Mister Shaw wird nicht lange reich sein.

Shaw wäre nicht der erste Lottomillionär, dem es so geht. Er wäre überhaupt nicht der erste, der viel Geld verliert. Im Gegenteil, die Erfahrung lehrt: Wie alles Schöne und Edle den Keim des Verderbens und des Zerfalls in sich trägt, wohnt auch jedem Reichtum bereits der Verlust inne.

Sicher, es gibt Ausnahmen. Aber die sind so selten, dass sie jeder schon beim Vornamen kennt: Den Carlos zum Beispiel, den Bill und den Warren. Und hierzulande natürlich den Karl und den Theo.

Grundsätzlich gilt aber: Wenig Geld zu haben kann traurig sein. Viel Geld zu haben aber endet oft erst richtig tragisch.

Bester Beleg dafür ist die Geldschwemme, die entsteht, wenn Notenbanken die Schleusen öffnen, und mit Liquidität die Märkte fluten. Welch eine Freude das ist, für alle Beteiligten! Aber dann ...

Zum Beispiel Goldman Sachs, Morgan Stanley und andere Großbanken. Der Absturz der Immobilienmärkte reißt in deren Fonds gerade, wie man so sagt, Milliardenlöcher.

Wie es dazu kam? Vor wenigen Jahren, als die Zinsen niedrig waren und die Märkte boomten, mussten die Fondsmanager die vielen günstigen Dollars irgendwie anlegen. Zusammen mit dem Geld ihrer Kunden natürlich. Und ganz gleich, zu welchen Preisen.

Was sollten die Banker anderes tun? Sie schwammen ja förmlich im Geld - es war eine Tragödie.

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