Griechenland-Krise Deutschland wird zur Fluchtburg für Investoren

Deutschland profitiert von der katastrophalen Bonität Griechenlands. Weil griechische Staatsanleihen mit einem hohen Ausfallrisiko belastet sind, steigen die Anleihen der Bundesrepublik in der Bewertung. Ausfallversicherungen vergleichen Griechenland mit Argentinien und Venezuela.

Frankfurt am Main - Die wachsende Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands hat die Nachfrage nach den als sicher geltenden Bundesanleihen am Mittwoch hoch gehalten. Noch unter dem Eindruck der gesenkten S&P-Ratings für Griechenland und Portugal stieg der Bund-Future auf ein Kontrakthoch von 125,35 Zählern und blieb damit auf dem hohen Niveau von Anfang März.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe blieb unter 3 Prozent. In direkter Reaktion auf die Herabstufung der hoch vorschuldeten Euro-Länder war die Rendite bis auf 2,922 Prozent gefallen. S&P hatte am Dienstagnachmittag Griechenland um drei Stufen auf BB+ herabgestuft. Auch Portugal wurde zwei Zwischenstufen schlechter beurteilt, der Ausblick für beide Staaten bleibt negativ. Die Ratingagentur geht davon aus, dass Investoren im Falle einer griechischen Staatspleite nur 30 Prozent des eingesetzten Kapitals wieder erhalten.

Die Analysten der HSH Nordbank wiesen darauf hin, dass dies ziemlich genau der Anteil sei, den auch die Anleger argentinischer Bonds nach der Umschuldung des Landes erhalten haben. So verwundere es kaum noch, dass Versicherungen gegen den Ausfall griechischer Anleihen derzeit in etwa genauso teuer sind wie die für Argentinien und Venezuela.

"Ansteckung in vollem Gange"

Die Ansteckung sei in vollem Gange, schrieben sie weiter und verwiesen auf die Entwicklungen am portugiesischen Anleihemarkt. Auch dort verschlechterten sich die Finanzierungsbedingungen erheblich: die Risikoaufschläge bei den zehnjährigen portugiesischen Staatsanleihen liegen mittlerweile bei 310 Basispunkten. "Die ersten Dominosteine fallen", resümierte der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer.

"Die Marktteilnehmer befürchten für Portugal eine ähnliche Entwicklung, wie sie Griechenland in den vergangenen Wochen durchgemacht hat", erläuterte Unicredit-Analyst Kornelius Purps. Die nächste Fälligkeit einer portugiesischen Staatsanleihe sei am 20. Mai, dann müssten rund sechs Milliarden Euro refinanziert werden. Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für zehnjährige griechische Anleihen stieg unterdessen weiter - laut Tradeweb bis auf 847 Basispunkte. Vor einer Woche waren es rund 500 Basispunkte, Anfang des Monats rund 350.

"Das alles passiert allerdings in einem Umfeld mit sehr geringen Umsätzen", merkte Purps an. Für eine allgemeingültige Bewertung seien die Daten kaum noch geeignet.

manager magazin mit Material von reuters

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