Deutsche Bank Die Geldmaschine

Je unsicherer die Welt, desto besser geht es der Deutschen Bank. Das größte Geldhaus Deutschlands fährt sagenhafte 30 Prozent Rendite ein - praktisch allein im Investmentbanking. Das klassische Bankgeschäft dagegen entwickelt sich schwach. Doch daran braucht Josef Ackermanns Konzern wohl auch nichts zu ändern.

Hamburg - 25 Prozent, was wurde er für diese Zahl geprügelt. Die Eigenkapitalrendite, die Josef Ackermann einst als Ziel ausgegeben hatte, wurde als Symbol für übertriebene Gier bekannt. Jetzt verdient seine Deutsche Bank  sogar 30 Prozent - wohlgemerkt bezogen auf eine Kapitalbasis, die binnen Jahresfrist um satte fünf Milliarden Euro gewachsen ist.

Von 2,8 Milliarden Euro Vorsteuergewinn kamen 2,7 Milliarden aus dem Konzernbereich Corporate and Investment Bank, so viel wie noch nie. "Dies ist umso bemerkenswerter", findet Ackermann, "als wir seit Ausbruch der Krise unseren Eigenhandel massiv verringert und die Risikopositionen kräftig abgebaut haben". Alles ganz solide, soll das heißen. Die Deutsche Bank zockt nicht, sie sichert ihre fabelhaften Gewinne gut ab. Die Deutsche Bank ist eine Geldmaschine.

"Wir sollten dieses Ergebnis nicht aufs Jahr hochrechnen", bremst Finanzvorstand Stefan Krause zwar die Erwartungen und den Aktienkurs . Zu stark hänge das Ergebnis vom unsicheren Marktumfeld und der künftigen Regulierung ab. Dennoch sei die Bank auf Kurs, um im kommenden Jahr erstmals zehn Milliarden Euro zu verdienen. Mit einer Eigenkapitalquote von 11,2 Prozent sei die Deutsche Bank eher noch zu gut ausgestattet für alles, was da noch kommen möge.

Krause führt eine Reihe von Gründen an, warum das Ergebnis noch besser sei, als es aussieht: Darin seien netto 241 Millionen Euro an Abschreibungen vor allem auf Monoliner-Papiere enthalten, 350 Millionen für Einmalzahlungen etwa an Vorruheständler, 120 Millionen Bonussteuer in Großbritannien … Unterm Strich wurden die Erwartungen der Analysten um 50 Prozent übertroffen, ergibt eine Studie der UBS.

"Das Ergebnis war fantastisch gut", urteilt auch Analyst Georg Kanders von der WestLB, "vor allem im Fixed-Income-Bereich". Das Geschäft mit Anleihen und anderen Kreditpapieren also treibt die Deutsche Bank an. Sie profitiert von der Schwäche der Wettbewerber, von der Angst vor einer Kreditklemme. "Weltweit brauchen die Unternehmen mehr Anleihen, weil sie sich schlecht über klassische Bankkredite finanzieren können", erklärt Kanders.

"Wo ist denn der Margendruck? Nicht im Investmentbanking"

Auch der Handel mit Kreditderivaten sei "anscheinend wieder richtig angesprungen". Der steht im Zentrum der Finanzkrise und stand im Vorjahr praktisch still. "Wahrscheinlich sorgt die Griechenland-Krise für ein höheres Bedürfnis nach Absicherung", vermutet Kanders. Jedenfalls profitiere das Investmentbanking von höherer Volatilität.

Doch nur aus dem Investmentbanking schöpft die Deutsche Bank ihre Ertragskraft. "Die Sparten des klassischen Bankgeschäfts verfehlen klar einige Ziele", räumt Finanzvorstand Krause ein. Die Erträge im globalen Transaktionsgeschäft und mit Privat- wie Geschäftskunden brachen ein, die Vermögensverwaltung verbuchte gar einen kleinen Verlust - und das, als die Sparte erstmals die Grenze von einer Billion Euro verwaltetes Vermögen überschritt. Dafür sorgte die Übernahme der gescheiterten Privatbank Sal. Oppenheim, die das Spartenergebnis um 59 Millionen Euro belastete.

"Was die Deutsche Bank in der Vergangenheit versucht hat, um die Abhängigkeit vom Investmentbanking zu senken, hat meist wenig gebracht", meint Analyst Kanders. Mit dem nächsten Übernahmeziel Postbank  hat die Deutsche Bank es nicht eilig. "Wir haben alle Zeit der Welt", ließ Finanzvorstand Krause wissen. Man beobachte erfreut, wie das Postbank-Management das Risiko des Filialriesen drosselt. Einstweilen fährt die Deutsche Bank mit ihrer einseitigen Ausrichtung gut. "Wo ist denn der Margendruck?", fragt Kanders. "Überall, nur nicht im Investmentbanking."

Die Strategie ist aber nicht ohne Risiko. Der Deutschen Bank liegen nach eigenen Angaben inzwischen sechs verschiedene Klagen vor, die im Erfolgsfall "erheblichen Schaden" für die Bank verursachen könnten. Zumeist dreht es sich um Geschäfte mit Kreditpapieren. Die meisten der Klagen aber seien in einem frühen Stadium, teilweise vor Gericht bereits abgewiesen, Ärger wie im Fall Goldman Sachs  drohe der Deutschen Bank nicht, beruhigt Krause - obwohl sie wegen ganz ähnlicher Wetten gegen die eigenen Kunden Schlagzeilen machte.

Etwas größere Sorgen macht man sich in Frankfurt über die künftigen Auflagen der staatlichen Aufseher, etwa was die Mindestkapitalisierung der Banken angeht. Doch auch hier gibt sich Stefan Krause gelassen. "Aus unseren Gesprächen mit den Regulierern haben wir den Eindruck, dass die Diskussion nüchterner geworden ist", sagt der Finanzchef. "Wir erwarten härtere Regeln, die werden aber verzögert kommen und uns weniger hart treffen als bisher gedacht."

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