Montag, 18. November 2019

Umschuldung für Griechenland "Das wäre Enteignung"

Die Gläubiger Griechenlands sollen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten: Im Bundestag sammeln sich Anhänger dieser Lösung, die nicht nur den Steuerzahler, sondern auch die Gläubigerbanken an der Hilfe beteiligen würde. Kreditinstitute warnen - eine Umschuldung käme an den Märkten einer Staatspleite gleich. Griechenland würde den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren.

Hamburg - Je entschiedener Georgios Papakonstantinou klingt, desto weniger wird er ernst genommen. Spekulanten, die auf eine Pleite seines Landes wetten, "werden ihre Hemden verlieren", sagte der griechische Finanzminister in Washington. Griechenland werde seine Schulden jederzeit voll bedienen, eine Umschuldung komme nicht infrage. Die Antwort der Märkte: Sie wetteten umso mehr auf die Pleite.

Athener Börse: Risikoaufschlag griechischer Anleihen auf Rekordhoch
Die Risikoaufschläge griechischer Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen stiegen auf ein Rekordhoch. Zehnjährige Bonds erreichten eine Rendite von 9,5 Prozent, während das deutsche Pendant bei 3 Prozent verharrte.

Für die zweijährige Anleihe verlangen die Gläubiger sogar mehr als 10 Prozent - ein Zeichen, dass sie einen Zahlungsausfall in dieser Zeit für besonders wahrscheinlich halten, obwohl dann die zugesagte Rettungsmission von Euro-Ländern und Internationalem Währungsfonds (IWF) laufen soll.

"Die zögerliche Haltung der Bundesregierung hat die Spekulationen gegen Griechenland und den Euro beflügelt", sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, zu manager magazin. Der griechische Hilferuf wäre gar nicht nötig gewesen, behauptet Hellmeyer, hätte Berlin die Spekulation rechtzeitig mit einem öffentlichen Bekenntnis gestoppt - so, wie es im Herbst 2008 mit der Garantie für Bankeinlagen gelungen war. Am Wochenende forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneut härtere Bedingungen, bevor das bereits vereinbarte Hilfspaket geschnürt wird.

Nicht nur die Opposition fordert den "Haircut"

Die Anleger sorgen sich weniger, die Hilfe könnte ganz ausbleiben, als dass von ihnen selbst Opfer verlangt würden. Die Oppositionsparteien im Bundestag machen das zur Bedingung für ihre Zustimmung zum Hilfspaket. Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder zeigte sich offen für eine Umschuldung, die einen "Haircut", also einen Forderungsverzicht bedeuten würde.

"Eine geordnete und von den anderen EU-Staaten begleitete Lösung des Problems, bei der die Gläubiger einen Beitrag leisten, fände ich wünschenswert", meint auch Hans Peter Grüner, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim. So entstehe am ehesten ein Anreiz für Haushaltsdisziplin.

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