Donnerstag, 23. Mai 2019

Britischer Bonus-Streit Totentanz oder nur Tamtam?

Mit Bonussteuer und strafferer Regulierung will die britische Regierung allzu vorwitzige Geschäfte der Finanzindustrie unterbinden. Und bewirkt möglicherweise etwas ganz anders - das Ausbluten der City of London. Nur eine Drohkulisse der betroffenen Unternehmen mitten im britischen Wahlkampf?

Hamburg - Es rumort, es grummelt in der City of London, der europäischen Hauptstadt der Finanzindustrie. Denn dort empfindet man die Einführung einer Bonussteuer als Affront und denkt laut über Abwanderung nach. Schließlich empfange man die Abwanderungswilligen in Zürich mit offenen Armen. Nur ein Gespenst, das durch den britischen Wahlkampf flattert?

Sturmumwölkt: Wie will London weiter mit der Finanzindustrie umgehen - umschmeicheln? Oder mit straffem Zügel?
Zumindest eines mit deutlichen Konturen. Die Bank JP Morgan zum Beispiel dachte noch im Dezember über ein neues europäisches Hauptquartier nach, in der Londoner Canary Wharf. Doch eine Bonussteuer, selbst nur einer bislang nur einmalig erhobenen, passte offensichtlich nicht ins Kalkül des Unternehmens. Die vergleichbaren Überlegungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ebensowenig. Die Financial Times zumindest zitiert einen Senior-Bankmitarbeiter: "Es wird ein Faktor in der Entscheidung sein." Auch von Goldman Sachs ist ähnliches zu lesen. Eine Nachfrage von manager magazin wollte das Unternehmen allerdings nicht beantworten.

Reiseziel Schweiz? Mit einem Wettbewerb der Kantone um die niedrigste Einkommensteuer, einer bankenfreundlichen Regierung sowie dem Vorteil, nicht dem Regelungsraum der EU anzugehören? Das klingt tatsächlich wie das ideale Bankenbiotop. Thomas Hartauer, Vorstand der Fondsboutique Lacuna berichtet von einem Vermögensverwalter, der bereits anziehende Immobilienpreise in Zürich registriert haben will.

Deutlich indes haben die Sensoren der lokalen Immobilienexperten noch nicht ausgeschlagen. "Die Nachfrage nach Büroflächen wird 2010 relativ schwach sein", prognostiziert das Schweizer Maklerhaus Kuoni Mueller & Partner. Konkurrent Schofield & Partners erwartet, dass die Mieten 2010 stabil bleiben werden. Doch das könnte sich schnell ändern.

Vor allem in der heißen Phase des britischen Wahlkampfs - es dürfte die beste Zeit sein, Druck aufzubauen. "Wegen der Wahlen und der geschwächten Labour-Partei wird derzeit mit markigen Sprüchen gegen die Banken geschossen, obwohl das Land weiß, dass die Banken einen Grossteil des Bruttoinlandsprodukts ausmachen und für den Londoner Finanzplatz essentiell sind", sagt ein deutscher Banker, der namentlich nicht genannt werden möchte. Die Finanzbranche dürfte sich inzwischen von der konservativen Partei mehr Zuspruch erhoffen. Von der regierenden Labour-Partei sind sie enttäuscht.

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