Dienstag, 26. Mai 2020

IWF "Stabilität ist noch nicht garantiert"

In seinem neuen Weltfinanzbericht warnt der Internationale Währungsfonds vor einer Verlängerung der Finanzkrise. Dazu könne das Schuldenproblem nicht nur Griechenlands, sondern auch der reichsten Länder beitragen. Die Banken dagegen kommen glimpflicher davon als bisher geschätzt - mit immer noch 2,3 Billionen Dollar Schaden.

Washington - Die Schuldenberge reicher Länder bedrohen nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die angelaufene Konjunkturerholung. Auch die gerade erst wiedergewonnene Stabilität des Finanzsystems könnte in Gefahr geraten. Werde die überbordende öffentliche Verschuldung nicht angegangen, "gibt es ein echtes Risiko, dass die Erholung untergraben und die Finanzkrise in eine neue Phase hinein verlängert wird", sagte José Viñals, Chef der IWF-Abteilung für Geldpolitik und Kapitalmärkte, am Dienstag.

Kartenhaus der Staaten: Höchste Schuldenquote seit 1945 - "und das ohne einen Weltkrieg"
"Obwohl sich der Zustand des globalen Finanzsystems und seine Aussichten in jüngster Zeit verbessert haben, ist Stabilität noch nicht garantiert", warnte der Fondsökonom bei der Vorstellung des jüngsten IWF-Berichts zur Stabilität des globalen Finanzsystems in Washington. Zwar sei viel von der Schuldenkrise in Griechenland die Rede. Doch sei das Problem keineswegs auf ein Land beschränkt, betonte Viñals. Er verwies auf die Verschuldung der größten Wirtschaftsnationen, die gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung das höchste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht habe. "Und das ohne einen Weltkrieg", sagte der IWF-Experte.

Es bestehe die Sorge, dass Investoren wegen der ausufernden Staatsverschuldung höhere Risikoaufschläge verlangten und dies am Ende höhere Zinsen für die Privatwirtschaft wie auch den öffentlichen Sektor bedeuten könnte. "Das könnte die Finanzkrise in die Länge ziehen und die Konjunkturerholung untergraben."

Die Regierungen müssten deshalb bald glaubhafte, mittelfristige Pläne zur Sanierung ihrer Etats entwerfen. Dies ist laut IWF die "gewaltigste Aufgabe", mit der betroffene Länder auf kurze Sicht konfrontiert seien. Der Prozess des Schuldenabbaus müsse sanft und allmählich erfolgen. Zudem müssten Regierungen ihre Bemühungen um eine Finanzreform vorantreiben, um das System stabiler zu machen.

Zum Zustand des Bankenwesens sagte Viñals, hier gebe es "ermutigende Nachrichten". Dank der Erholung der Weltwirtschaft kommt die globale Finanzbranche glimpflicher davon als zunächst angekommen: Der IWF verringerte seine Schätzung über die Abschreibungen der Banken von bislang 2,8 Billionen auf 2,3 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) seit Beginn der Finanzkrise 2007 bis heute.

Zu deutschen Banken heißt es in dem Bericht, ihr Zustand habe sich seit dem Höhepunkt der Krise im großen und ganzen gebessert. Für Deutschland schätzt der IWF die Verluste auf 326 Milliarden Dollar, wovon bis Ende 2009 bereits 80 Prozent realisiert worden seien. Dennoch könnten die Geldhäuser sowohl bei Krediten wie auch bei Wertpapieren noch mit "erheblichen Abschreibungen" konfrontiert werden. Die höchste Abschreibungsquote bei Krediten gebe es derweil unter den Landesbanken.

Mit Blick auf die Schwellenländer und die großen Kapitalflüsse dorthin stellte der IWF fest, dass sich die Sorgen vor Inflation und Preisblasen mehrten. Soweit gebe es aber keine Hinweise, dass Vermögenswerte wie Aktien oder Immobilien "ernsthaft und unhaltbar überbewertet" seien, befindet der Weltwährungsfonds.

Industrienationen und aufstrebende Schwellenländer treten bei der Neuordnung der Machtverhältnisse im Internationalen Währungsfonds unterdessen weiter auf der Stelle. Trotz wachsenden Zeitdrucks bei der für Januar 2011 angestrebten Reform habe es in den vergangenen Monaten wenig Fortschritte gegeben, hieß es im Bundesfinanzministerium in Berlin. Bisher gebe es allenfalls einen Austausch der bekannten Positionen. Nach wie vor strittig ist, welche Länder Stimmrechte an bisher unterrepräsentierte Länder abgeben.

Die Umverteilung ist Thema beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) am Freitag und bei der gemeinsamen Frühjahrstagung von IWF und Weltbank Ende der Woche in Washington. Daran soll nach einem längeren Klinikaufenthalt auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) teilnehmen. Der IWF will einen Vorschlag für eine globale Bankensteuer unterbreiten.

manager magazin mit Material von dpa-afx

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