Dienstag, 23. April 2019

Hedgefonds Der Tag der Heuschrecke

Fünf Jahre ist es her, dass Franz Müntefering Hedgefonds in Bausch und Bogen als "Heuschrecken" bezeichnete. Seitdem hat sich einiges getan - Deutschland hat eine neue Regierung, und die Finanzkrise walzte um die Welt. Wie ist die Stimmung in der Branche mit dem Zockerimage heute?

Hamburg - Acrididae, so nennen Biologen die Heuschrecken. Und obwohl sie in der Bibel als Plage bezeichnet wurden, galten Acrididae in Europa lange als freundliche Krabbler. Nicht zuletzt deswegen nennt sich der bekannteste Schweizer Fußballclub nach ihnen, Grasshoppers Zürich. Und nicht zuletzt deswegen schmückt sich die Alte Börse in London seit ihrer Grundsteinlegung mit steinernen Schrecken. Doch dann kam der 17. April 2005.

Filmgröße: Im Bild Schauspieler Michael Douglas in der Figur des Investors Gordon Gekko aus dem Film "Wall Street". Gekko gilt seitdem als Prototyp des Großinvestors.
ProSieben / Sat1
Filmgröße: Im Bild Schauspieler Michael Douglas in der Figur des Investors Gordon Gekko aus dem Film "Wall Street". Gekko gilt seitdem als Prototyp des Großinvestors.
Franz Müntefering, seinerzeit Generalsekretär der SPD, verdammte Hedgefonds in einem Interview als Heuschrecken. Noch fünf Jahre später klingeln der Branche in Deutschland die Ohren.

"Zu beobachten ist nach wie vor, dass Hedgefonds insbesondere in Krisensituationen als Sündenböcke herhalten", sagt zum Beispiel Markus Sievers, der mit Apano Hegdefondsprodukte des Riesen Man Investments vertreibt. "Nehmen Sie zum Beispiel die Finanz- und Wirtschaftskrise. Studien haben unlängst gezeigt, dass die größten Fehler und Verluste von den Banken gemacht wurden. Und auch der Vorwurf, die Fonds würden aktuell mit dem Handel von sogenannten Credit Default Swaps die Risikoprämien für griechische Bonds nach oben treiben, hielt genauen Untersuchungen nicht stand. Dennoch gibt es die meist populistischen Äußerungen von Politikern." Andere winken inzwischen desillusioniert ab. "Die Hedgefondsbranche ist es seit Jahren gewohnt, in den Medien falsch dargestellt zu werden", sagt Christoph Bruns, der in seiner Fondsboutique Loys auch einen Hedgefonds anbietet. "Bereits im einschlägigen deutschen Gesetz wird - typisch deutsch - von 'Sondervermögen mit besonderen Risiken' gesprochen." Das Müntefering-Wort, es habe daher "keine weitere Bedeutung mehr." Wirklich? Der Groll scheint tief zu sitzen.

Kein Wunder, denn Hedgefonds sind in Deutschland noch immer eine relativ junge Anlagegattung. Erst 2004 wurden sie nach langen politischen Grabenkämpfen zugelassen - als "Sondervermögen mit besonderen Risiken". Und konnten seitdem die Anleger nicht so überzeugen, wie sich die Branche es erhofft hatte. Rund 1,6 Milliarden Euro verwalten deutsche Hedgefonds Ende Februar. Manch herkömmlicher Aktienfonds bündelt diese Summe bereits allein. Auch Pioneer Investments musste Lehrgeld zahlen. Die Fondsgesellschaft brachte als eine der ersten ein auf das deutsche Regulatorium zugeschnittenes Produkt auf Markt. Und zog es später mangels Interesses wieder zurück.

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