Banken "Evolutionsprozess" hält an

Martin Kohlhaussen, Commerzbank-Chef und Präsident des Bankenverbands, ärgert sich über Bankanalysten. Viele Empfehlungen könne er nicht nachvollziehen. Im Geldgewerbe sieht er eine anhaltende Verschiebung zu neuen Vertriebswegen.

Frankfurt - Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat am Montag in Berlin scharfe Kritik an Banken-Analysten geübt. Angesichts fallender Aktienkurse der Fusionspartner Dresdner Bank und Deutsche Bank, sagte der scheidende BdB-Präsident Martin Kohlhaussen, er könne nicht verstehen, dass Analysten erst eine Konsolidierung der Branche verlangten und dann "den Daumen nach unten" senkten.

Analysten seien eine mächtige Zunft, er frage sich jedoch, ob deren Einschätzungen immer sachgerecht seien. Shareholder Value, wie er es verstehe, bestehe aus den Interessen der Aktionäre, der Mitarbeiter und der Kunden.

"Vielleicht sollte man im nächsten Leben Analyst werden", sagte Kohlhaussen, der als BdB-Präsident von Frank Heintzeler abgelöst wird. Heintzeler ist Vorstandssprecher der Baden-Württembergischen Bank AG in Stuttgart.

Verschiebung zu neuen Vertriebswegen im Geldgewerbe

Kohlhaussen betonte, er halte Fusionen durchaus für sinnvoll, wenn es nicht um schiere Größe gehe. Er habe auch keine Bedenken bei der Fusion von Deutsche Bank und Dresdner Bank. "Diese Fusion setzt eine neue Marke in der Branche", sagte Kohlhaussen.

Er gehe davon aus, dass sich der "Evolutionsprozess" in der Bankenlandschaft in den nächsten fünf Jahren fortsetzen werde. Vor allem werde es eine Verschiebung zu neuen Vertriebswegen geben.

BdB-Vorstandsmitglied und Hypovereinsbank-Chef Albrecht Schmidt ergänzte, es sei unstreitig, dass es in Deutschland zu viele Banken am Markt gebe. Eine Reduzierung finde nun durch Fusionen statt.

Als Vorstandsvorsitzende ihrer jeweiligen Institute wollten sich Schmidt und Commerzbank-Chef Kohlhaussen nicht zu möglichen Übernahmen und Kooperationen äußern. Sie verwiesen darauf, dass die Fusion von Dresdner Bank und Deutsche Bank für sie neue Chancen besonders im Privatkundengeschäft böten. Kohlhaussen sagte, er überdenke zwar die Strategie seiner Bank, dies mache er aber permanent.

Positiv schätzte der BdB die Konjunkturentwicklung in Europa ein. Für Deutschland wie für Europa erwarte man ein Wachstumspotenzial von rund drei Prozent. Laut Kohlhaussen besteht trotz der gestiegenen Rohölpreise keine ernsthafte Inflationsgefahr. Mit einem weiteren Anstieg sei nicht zu rechnen, deshalb werde in den folgenden Monaten die Inflationsrate sinken.

Sorgen bereite hingegen der Kurs des Euro. Die Wertentwicklung gegenüber dem US-Dollar sei erstaunlich und durch die Fundamentaldaten allein nicht zu erklären. "Gemessen an der Entwicklung der Kaufkraft in den 90er Jahren ist der Euro gegenüber dem US-Dollar um rund 20 Prozent unterbewertet", sagte Kohlhaussen.

Lob für die Bundesregierung gab es vom BdB für die geplante Unternehmenssteuerreform. Die geplante Körperschaftssteuer von 25 Prozent erlaube höhere Dividenden und höhere Rücklagen. Beides stärke die Wettbewerbsfähigkeit und komme letztlich den Aktionären zugute.